Energiekonzern : Grün-Rot plant nicht mehr mit EnBW-Chef Villis

Der Atomausstieg hat den Energiekonzern EnBW unvorbereitet getroffen. Unternehmenschef Villis ist bei der baden-württembergischen Landesregierung in Ungnade gefallen. Einen Nachfolger hat Grün-Rot indes noch nicht.

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Hans-Peter Villis ist noch Chef bei EnBW.
Hans-Peter Villis ist noch Chef bei EnBW.Foto: dpa

EnBW-Chef Hans-Peter Villis muss seinen Sessel räumen. Der Vorstandsvorsitzende des drittgrößten Energieversorgers in Deutschland wolle bis zur Aufsichtsratssitzung an diesem Donnerstag erklären, dass er seinen Vertrag nicht verlängern werde, erfuhr die Nachrichtenagentur dpa am Dienstag aus zuverlässiger Quelle.

Die beiden Haupteigentümer der EnBW, das Land Baden-Württemberg und der Kommunalverband OEW, hätten Villis bereits deutlich gemacht, dass sie nicht mehr mit ihm planen. Der Vertrag des Managers läuft im September 2012 aus.

Vor rund einem Jahr hatte das Land Baden-Württemberg, damals noch unter Ministerpräsident Stefan Mappus (CDU), die Mehrheit bei dem Energiekonzern übernommen. Für die grün-rote Nachfolgeregierung entwickelt sich das Geschäft immer mehr zum Ärgernis.

Durch den Atomausstieg, der zwei von vier Kernkraftwerke des Konzerns unmittelbar stilllegte, musste EnBW im ersten Halbjahr einen Verlust von knapp 600 Millionen Euro verkraften. Eine Finanzspritze, die Villis gerne vom Land gesehen hätte, lehnte Wirtschafts- und Finanzminister Nils Schmid (SPD) ab.

Schmid plant ein "geordnetes Verfahren" für die Wahl eines neuen Vorstandsvorsitzenden an. "Es gibt noch keine Kandidaten, wir werden aber eine qualifizierte Person finden", sagte er dem Tagesspiegel. Dabei werde man sich Zeit nehmen.

Villis Entscheidung habe er mit "Respekt" zur Kenntnis genommen. Ob er früher als mit Ende seines Vertrags im Herbst 2012 aus dem Amt scheidet, liege an Villis, sagte Schmid. Sollte Villis früher eine neue Anstellung finden, werde man sich im gegenseitigen Einvernehmen eine Lösung finden, so Schmid.

Wegen der Energiewende muss der Konzern in den kommenden Jahre viele Milliarden Euro in Erneuerbare Energien investieren - ohne bislang eingeplante Einnahmen aus der Atomkraftnutzung. Mappus’ Kalkül, den Kaufpreis respektive Zinsen und Tilgung mit der EnBW-Dividende zu finanzieren und den Konzern so bald und so profitabel wie möglich wieder zu verkaufen, geht nach Fukushima nicht mehr auf. (mit dpa)

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