Energiekonzerne : Das Krisenjahr gut überstanden

Die Berliner Vattenfall AG verbucht einen neuen Rekordgewinn – trotz AKW-Panne, Kundenverlust und Führungskrise.

Alfons Frese
Vattenfall
Die Berliner Vattenfall AG hat 2007 einen Rekordgewinn verbucht. -Foto: ddp

Berlin – Dank der hohen Strompreise hat die Berliner Vattenfall Europe AG im vergangenen Jahr ein Rekordergebnis erreicht. Der Gewinn stieg um gut zehn Prozent auf 1,6 Milliarden Euro, teilte das Unternehmen am Donnerstag mit. Damit lieferte die deutsche Tochter den größten Teil zum Konzerngewinn des schwedischen Staatskonzerns Vattenfall AB, der 2007 drei Milliarden Euro betrug.

Das gute Ergebnis der deutschen Vattenfall kam trotz widriger Umstände zustande: Erst fielen im Frühjahr die Kernkraftwerke Krümmel und Brunsbüttel aus, dann vertrieb eine unglückliche Preiserhöhungen rund 250 000 Kunden, und schließlich belastete die Führungskrise das Image des Konzerns. Ganz zu schweigen von Versuchen der Politik, die Marktmacht der vier großen deutschen Versorger einzuschränken.

Die Stilllegung der Kernkraftwerke hat Vattenfall bislang 201 Millionen Euro gekostet. Konzernchef Lars Göran Josefsson äußerte sich am Donnerstag in Stockholm nicht zum Zeitpunkt der Wiederinbetriebnahme der AKW. Stattdessen sprach er von einer „unangemessenen Informationspolitik“ im vergangenen Sommer. Wegen der Pannen musste damals der Chef der deutschen Vattenfall, Klaus Rauscher, gehen. Rauscher war dem Schweden auch zu eigensinnig geworden. Die deutsche Vattenfall mit derzeit 4300 Beschäftigten war entstanden aus dem Zusammenschluss der Berliner Bewag mit der Hamburger HEW und den ostdeutschen Braunkohleunternehmen Laubag und Veag.

Der seit Januar amtierende Chef der deutschen Vattenfall, Tuomo Hatakka, betonte anlässlich der Bekanntgabe der Geschäftszahlen die zunehmenden „Risiken und Unwägbarkeiten“, mit denen sich die Energiewirtschaft rumschlagen müsse. Damit sind unter anderem Pläne der EU-Kommission gemeint, den Energiekonzernen die Leitungsnetze abzunehmen, aber auch die zunehmenden Widerstände gegen den Bau neuer Kraftwerke. Die Risiken seien Vattenfall bewusst, ließ sich Hatakka zitieren, und würden auch in den Investitionsprogrammen berücksichtigt.

Das Unternehmen spricht seit längerem von einem Investitionsvolumen von fünf bis sechs Milliarden Euro, das mittelfristig abgearbeitet werde. Dazu gehört ein Kohlekraftwerk in Hamburg-Moorburg für rund zwei Milliarden Euro sowie Ausgaben für den Ausbau erneuerbarer Energien, die Vattenfall mit 1,6 Milliarden Euro beziffert. Geplant ist ferner eine neues Steinkohlekraftwerk in Berlin für Kraft-Wärme-Kopplung, das aber in Politik und Wirtschaft abgelehnt wird. Die Berliner Kammern forderten sogar dazu auf, Vattenfall den Neubau zu verbieten und stattdessen Kraftwerke von Konkurrenten bauen zu lassen. Das, so glauben die Kammern, würde für mehr Wettbewerb sorgen.

Hatakka bekannte sich erneute zur „stärkeren Kundenorientierung und zu unseren CO2-Minderungszielen“. In diesem Jahr soll es keine Preiserhöhung geben, hatte Vattenfall kürzlich mitgeteilt. Und in der Lausitz baut das Unternehmen eine Pilotanlage zur CO2-Abscheidung bei der Braunkohleverstromung. Im Sommer soll die Anlage in Betrieb gehen. Die Globalisierungsgegner von Attac beschuldigten Vattenfall unterdessen der „Abzocke“. „Statt soziale Preise zu gewährleisten und in erneuerbare Energien zu investieren, erwirtschaften Vattenfall und Konsorten Rekordgewinne, um mit gefüllten Kassen international zu expandieren“, sagte ein Attac-Vertreter. Attac möchte die Stromkonzerne enteignen und zerlegen.

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