• Energiekonzerne reiten auf der Fusionswelle Eon-Chef Hartmann wirbt für die geplante Übernahme von Ruhrgas

Wirtschaft : Energiekonzerne reiten auf der Fusionswelle Eon-Chef Hartmann wirbt für die geplante Übernahme von Ruhrgas

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Berlin (fo/dpa). Einen Tag vor einer Expertenanhörung des Wirtschaftsministeriums zur geplanten Fusion Eon/Ruhrgas wirbt Eon-Chef Ulrich Hartmann mit den Argumenten Versorgungssicherheit und Arbeitsplätze für den Zusammenschluss. Es komme darauf an, „ob die gesamtwirtschaftlichen Vorteile unseres Vorhabens die Wettbewerbsbedenken des Kartellamtes überwiegen“, sagte er auf der Eon-Hauptversammlung am Dienstag. Laut Hartmann wird durch die Fusion die Sicherheit der deutschen Energiewirtschaft höher.

Hartmann machte deutlich, dass an der beantragten Ministererlaubnis zur Energiefusion die Zukunft der vier Großunternehmen Eon, Ruhrgas, RAG und Degussa hänge. Sollte es keine Ministererlaubnis geben, werde Eon Investitionen nicht in Deutschland, sondern im Ausland vornehmen.

Das Bundeskartellamt, die unabhängige Monopolkommission und Eon-Wettbewerber befürchten, dass mit einer Genehmigung der Fusion durch die Bundesregierung (Ministererlaubnis) der Wettbewerb auf dem Erdgasmarkt, aber auch auf dem Strommarkt in Deutschland stark eingeschränkt würde. Zumal die Energiemärkte gerade erst liberalisiert worden sind.

Die Folgen sind nicht nur sinkende Preise, sondern auch eine Konzentration unter den Energieversorgern. Der Verband der Elektrizitätswirtschaft (VDEW) hat seit 1998 rund 30 bedeutende Fusionen mit 80 beteiligten Unternehmen registriert. Die Zahl der großen Stromkonzerne sank von neun auf vier, die der Regionalversorger von 50 auf 30. Nur das befürchtete Stadtwerke-Sterben ist ausgeblieben. Stattdessen versuchten die lokalen Versorger laut VDEW, „durch Teilprivatisierung ihre Position zu stärken“. Konkret heißt das: Die kommunalen Stadtwerke, von denen es in Deutschland immerhin noch 830 gibt, nehmen Energiekonzerne als Gesellschafter auf.

Dieser Trend ist denn auch das Problem bei der anstehenden Übernahme des Ferngasunternehmens Ruhrgas durch den Stromriesen Eon. Beide Unternehmen kontrollieren allein über die Beteiligungsgesellschaft Thüga etwa 130 Stadtwerke in Deutschland. Stadtwerke verkaufen in der Regel sowohl Erdgas als auch Strom in ihrem Versorgungsgebiet. Die Konkurrenten befürchten nun, dass sie immer stärker als mögliche Lieferanten von Strom oder Gas ausfallen, weil die Stadtwerke natürlich nur noch bei Eon und Ruhrgas einkaufen.

Die Trennung von den Stadtwerke-Beteiligungen könnte daher eine zentrale Bedingung sein, unter der das Bundeswirtschaftsministerium den Zusammenschluss genehmigt. Seit der Ablehnung der Ruhrgas-Pläne durch das Bundeskartellamt Anfang des Jahres gibt es nach Meinung des Eon-Chefs außerdem neue Fakten. Eine neue Verbändevereinbarung Gas habe mit vereinfachtem Durchleiten und niedrigeren Entgelten wesentliche Fortschritte für den Wettbewerb gebracht. In Europa sei zudem eine raschere Öffnung des Gasmarktes verabredet worden, sagte Hartmann vor den Aktionären. Er erwarte eine Entscheidung zur Ministererlaubnis bis Mitte Juli.

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