Energiekosten : Höhere Stromrechnungen für die Kunden

Kunden müssen bald tiefer in die Tasche greifen. Nicht nur der Ölpreis drückt, sondern auch die Renditenerwartungen der Investoren.

Heike Jahberg
Umspannwerk
Es wird wieder in die Stromnetze investiert. -Foto: dpa

BerlinStromkunden müssen ab dem kommenden Jahr mit weiteren Preissteigerungen rechnen. Die Bundesnetzagentur hat am Montag den Stromkonzernen für 2009 höhere Renditen für Investitionen in ihre deutschen Stromnetze zugebilligt. Für den Bau neuer Leitungen können die Versorger ab Anfang kommenden Jahres eine Verzinsung ihres Eigenkapitals von 9,29 Prozent (bisher: 7,91 Prozent) verlangen, Altanlagen werden künftig mit 7,56 Prozent (bisher: 6,5 Prozent) verzinst.

Für die Netzbetreiber bedeutet das nach Angaben der Aufsichtsbehörde Mehrerlöse von 270 Millionen bis 300 Millionen Euro im Jahr. Da für die Gasnetze bereits heute die höheren Sätze gelten, ändert sich hier praktisch nichts. Die Versorger können ihre Investitionen auf die Netzentgelte umlegen, die wiederum an die Verbraucher weitergereicht werden. Am Strompreis haben die Netzentgelte einen Anteil von rund 30 Prozent.

Kein Risiko für Unternehmen - der Kunde wird zur Kasse gebeten

Verbraucherschützer sehen die Entscheidung der Aufsichtsbehörde kritisch. "Es ist nicht einsehbar, warum die Rendite der Netzbetreiber um vier Prozent über der von Staatsanleihen liegen soll“, sagte Aribert Peters vom Bund der Energieverbraucher dem Tagesspiegel. "Stromnetze sind ein risikoarmes Geschäft“, betonte Peters.

Holger Krawinkel vom Bundesverband der Verbraucherzentralen sprach von einem "politischen Sperrfeuer“ der Stromkonzerne. Diese hatten in der Vergangenheit wiederholt davor gewarnt, dass die Versorgungssicherheit gefährdet sei, wenn sich Investitionen in die Netze nicht mehr lohnten. Auch politischen Druck auf die Bundesnetzagentur seitens der Regierung will Krawinkel nicht ausschließen.

Noch im Mai hatte die Behörde nämlich geplant, die Anreizregulierung von 7,91 auf 7,82 Prozent zu senken. Davon ist jetzt keine Rede mehr. "Den Netzbetreibern werden mit staatlicher Billigung weitere Milliarden zugestanden, die sich unmittelbar in der Stromrechnung des Kunden auswirken“, kritisierte der Bundesverband Neue Energieanbieter.

Noch höhere Renditen winken

RWE, nach Eon der zweitgrößte deutsche Stromversorger, begrüßte die Entscheidung der Aufsichtsbehörde: "Sie erleichtert unternehmerisch verantwortungsbewusste Investitionen“, sagte ein Sprecher von RWE Energy dem Tagesspiegel. Nach Angaben von Matthias Kurth, Präsident der Bundesnetzagentur, haben die Netzbetreiber – allen voran Eon, RWE, Vattenfall und EnBW – für die Jahre 2007 bis 2009 Investitionen in Höhe von 8,6 Milliarden Euro beantragt, deutlich mehr als in den Vorjahren. "Üblich waren zuletzt rund zwei Milliarden Euro im Jahr“, berichtet Verbraucherschützer Krawinkel.

Dass die Konzerne jetzt wieder verstärkt investieren wollen, liegt an den höheren Renditeaussichten. Glaubt man dem Bundesverband Neuer Energieanbieter, summieren sich die Erleichterungen für die Energiekonzerne unterm Strich sogar auf eine Milliarde Euro. Denn noch höhere Renditen winken den Versorgern, wenn sie Offshore-Windparks ans Netz nehmen. Hier soll die Aufsichtsbehörde nicht die pauschalen Zinssätze zu Grunde legen, sondern einzelfallbezogen prüfen.

"Wir brauchen eine Deutsche Netz AG mit staatlicher Beteiligung“

Die neuen Energieanbieter machen sich für eine Trennung von Netz und Energieherstellung stark, um Quersubventionen in den Energiekonzernen zu unterbinden. Auch Holger Krawinkel vom Bundesverband der Verbraucherzentralen fordert, die Netze in einer neuen Gesellschaft zu bündeln. "Wir brauchen eine Deutsche Netz AG mit staatlicher Beteiligung“, sagte der Verbraucherschützer dem Tagesspiegel.

Chefkontrolleur Matthias Kurth unterstützt den Vorstoß, die vier Übertragungsnetze im Rahmen einer Netz AG zusammenzulegen. Das erhöhe Synergien, vereinfache die Marktstrukturen und stärke die Position Deutschlands im europäischen Verbundnetz, betonte Kurth am Montag in Bonn. Wenn man die Netze zusammenlege, ließen sich "dreistellige Millionenbeträge“ sparen.

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