Energiekosten : Strom wird teurer – vor allem in Berlin

Zum Jahreswechsel wird Strom vielerorts teurer. In Berlin fällt die Preissteigerung mit 9,9 Prozent höher aus als in allen anderen Bundesländern. Die Grünen werfen den Energiekonzernen Abzocke vor.

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Den Strompreis kann man am Zähler nicht ablesen.
Den Strompreis kann man am Zähler nicht ablesen.Foto: dpa

Jeder zweite Haushalt in Deutschland muss 2011 mit deutlich höheren Stromkosten rechnen. Zu diesem Schluss kommen die Verbraucherportale Verivox und Check24 genau so wie eine Studie, die die Grünen im Bundestag in Auftrag gegeben haben. Stromkunden in Berlin sind davon überdurchschnittlich betroffen. Nach Meinung der stellvertretenden Grünen-Fraktionschefin Bärbel Höhn sind die Preiserhöhungen nicht gerechtfertigt: „Die Verbraucher werden im nächsten Jahr zwei Milliarden Euro zu viel zahlen. Das ist Abzocke“, sagte Höhn.

Nach Angaben von Verivox haben 500 von 900 Stromversorgern für den ersten Januar Preiserhöhungen von durchschnittlich sieben Prozent angekündigt. Für einen Musterhaushalt mit einem Verbrauch von 4000 Kilowattstunden bedeute dies Mehrkosten von 66 Euro im Jahr. Nach Berechnungen des Vergleichsportals Check24 werden die Berliner Haushalte besonders hoch belastet. Eine Familie, die 5000 Kilowattstunden Strom verbraucht, müsse im nächsten Jahr 116 Euro mehr dafür bezahlen. Das wären 10,8 Prozent mehr als 2010. In keinem anderen Bundesland falle die Preissteigerung höher aus.

Im Grundversorgungstarif von Vattenfall etwa kostet die Kilowattstunde Strom ab dem 1. Januar 2,33 Cent mehr. Das entspricht einer Preissteigerung von 9,9 Prozent für einen Durchschnittshaushalt. Die Gasag hat ihre Preise bereits zum 1. Oktober dieses Jahres erhöht. Eine Familie mit einem durchschnittlichen Verbrauch von 20 000 Kilowattstunden wird mit 170 Euro zusätzlich im Jahr belastet.

Auch die Gaspreise sollen steigen. Zwar haben 38 Gasversorger angekündigt, ihre Preise um durchschnittlich sechs Prozent zu senken. Gleichzeitig aber wollen 81 Anbieter Preiserhöhungen von durchschnittlich sieben Prozent vornehmen. Laut Verivox wird ein Haushalt mit einem Gasverbrauch von 20 000 Kilowattstunden künftig 90 Euro mehr pro Jahr zahlen müssen.

Die meisten Stromversorger begründen die Preiserhöhungen mit der sogenannten EEG-Umlage. Das ist der Preis, den die Netzbetreiber an die Erzeuger von Strom aus Sonne, Wind oder Biomasse bezahlen müssen. Zurzeit beträgt er etwas mehr als zwei Cent pro Kilowattstunde. Ab dem 1. Januar 2011 steigt er um 72 Prozent auf rund 3,5 Cent. Nach Angaben des Verbraucherportals toptarif.de reichen 144 Stromversorger die höheren Förderkosten der erneuerbaren Energien in etwa eins zu eins an die Verbraucher weiter. 137 Anbieter liegen mit ihren Preiserhöhungen sogar darüber.

Nach Meinung der Grünen ist die EEG-Umlage kein Argument. Ihre Studie zeige, dass die Einkaufspreise für Strom seit 2008 um 30 bis 40 Prozent gesunken seien. Diese Kostenersparnis hätten die Anbieter aber nicht an die Kunden weitergegeben. Stattdessen erhöhten sie nun die Preise. „Die Versorger verstecken sich hinter den erneuerbaren Energien, um höhere Gewinne einzusacken“, sagte Höhn. Sie forderte die Bundesregierung auf, die Monopolstellung der großen Versorger in Deutschland aufzubrechen. Die Kunden müssten sich die höheren Rechnungen aber nicht gefallen lassen, sondern sollten sich auf Vergleichsportalen nach einem günstigeren Anbieter erkundigen. Bei einem Wechsel können Haushalte laut Verivox bei Strom oder Gas mehr als 200 Euro im Jahr sparen.

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