Energiemarkt : Conergy streicht jede fünfte Stelle

Das Solarunternehmen Conergy befürchtet 200 Millionen Euro Verlust und konzentriert sich künftig aufs Stromgeschäft.

Moritz Honert

Berlin - Das angeschlagene Solarunternehmen Conergy steckt tiefer in der Krise als bisher bekannt. Nachdem die Hamburger Aktiengesellschaft bereits im Oktober ein Minus von rund 15 Millionen Euro für das laufende Jahr angekündigt hatte, senkte die Firmenleitung am Mittwoch erneut ihre Erwartungen. Für 2007 geht der Vorstand nun von einem Verlust von 150 bis 200 Millionen Euro vor Steuern und Zinsen aus. 2006 verzeichnete Conergy noch einen Gewinn von rund 52 Millionen Euro. Ursache für die Krise seien Probleme bei der Beschaffung des Rohstoffs Silizium. Das gesteckte Ziel für 2007 von einer Milliarde Euro Umsatz werde voraussichtlich nicht erreicht.

Den Weg aus der Krise soll nun ein radikaler Umbau der Unternehmensstruktur weisen. Künftig will sich das Unternehmen auf das Stromgeschäft konzentrieren und sich von den Bereichen Biomasse, Solarwärme sowie Wärmepumpen und den dort insgesamt 100 Beschäftigten trennen. Weltweit sollen sogar 500 der 2700 Stellen gestrichen werden. Bis zu 300 davon könnten in der Hamburger Zentrale wegfallen, wo derzeit knapp 800 Mitarbeiter beschäftigt sind.

Die Börse reagierte auf die schlechten Nachrichten. Nachdem die Aktie bereits im Oktober infolge der Gewinnkorrekturen um fast die Hälfte auf 35 Euro eingebrochen war, fiel der Kurs am Mittwoch ein weiteres Mal dramatisch. Zeitweise verlor die Aktie des Unternehmens gut 22 Prozent ihres Werts und notierte am Nachmittag etwas erholt bei 22,40 Euro. Das ist weniger als ein Drittel des absoluten Höchststands, der vor rund zwei Monaten erreicht wurde.

Im Mittelpunkt des Rettungsplans steht der Umbau der Firmenstruktur zum 1. Januar. Unter dem Dach der Mutterfirma sollen künftig die Aktivitäten der früheren Töchter Suntechnics und Epuron gebündelt werden. Unter dem Namen „Components“ wird der Bereich des Solaranlagenbaus fortgeführt, „Sales and Systems“ kümmert sich um den Vertrieb, „Projects“ schließlich um Finanzierungen von Projekten. Vorstandschef Dieter Ammer geht davon aus, dass der Umbau „Conergy binnen kurzem wieder auf Erfolgskurs bringen wird“.

Conergy-Sprecher Thorsten Vespermann erklärte, für die Solarfabrik in Frankfurt (Oder) hätten die zurückgeschraubten Gewinnerwartungen keine Auswirkungen. „Die Anlage ist nach wie vor unser wichtigstes Projekt.“ Ab 2008 soll der Standort weiter ausgebaut werden. 90 Prozent der für eine Vollproduktion benötigten Maschinen seien bereits installiert. Derzeit sind in dem Werk 320 Mitarbeiter und 60 Zeitarbeitskräfte beschäftigt. Mittelfristig könnten rund 600 weitere Arbeitsplätze entstehen, sagte Vespermann. „An diesen Zielen halten wir fest.“

Die Zukunft des Unternehmens sieht Vespermann optimistisch. Der aktuelle Liefervertrag garantiere für 2008 rund die Hälfte des Siliziums, das man für eine volle Auslastung der Anlage in Frankfurt (Oder) benötige. Im kommenden Jahr wolle man zusätzlich neue Lieferverträge unterschreiben. Auch mit dem derzeitigen Kontrakt sei die Produktion für 2009 jedoch gesichert und für 2010 habe man durch ihn bereits mehr Rohstoffe, als im Höchstfall verarbeitet werden könnten. Auch ein 1,28 Milliarden Euro teures Windkraftpark-Projekt in Australien sei weiterhin in Planung. Conergy ist zuversichtlich, dort 2009 die ersten Windräder aufstellen zu können.

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