Energiepolitik : Amerika wird grün

US-Präsident Obama will 50 Milliarden Dollar in erneuerbare Energien stecken. Deutsche Anbieter freut das.

Miriam Braun
Windkraft
Starkes Lüftchen. Die USA sind schon heute "Windkraftweltmeister". -Foto: AFP

Berlin - „Um unseren Planeten vor den dramatischen Auswirkungen des Klimawandels zu retten, müssen wir saubere, erneuerbare Energie endlich zu profitabler Energie machen“ sagte Barack Obama am Dienstag (Ortszeit) in seiner Rede vor dem US-Kongress. 15 Milliarden Dollar jährlich will der US–Präsident in die Entwicklung von Wind- und Sonnenenergie investieren und damit die verfügbare Menge an erneuerbaren Energien in den nächsten drei Jahren verdoppeln. Insgesamt sollen 50 Milliarden Dollar ausgegeben werden, eine Maßnahme, die auch deutsche Hersteller freut.

„Wir erwarten eine Verdopplung des Marktes für Solaranlagen innerhalb des nächsten Jahres“, sagt Milan Nitzschke von Solarworld. Das deutsche Unternehmen ist nach eigenen Angaben der größte Fotovoltaik-Produzent in den USA und hat bereits vor Obamas Ankündigungen vorgesorgt: Im Herbst wurden neue Fabrikstandorte in den USA eröffnet. „Trotzdem werden wir auch weiterhin Kapazitäten ausbauen“, sagt Nitzschke. Deutschland dürfe seine Vorreiterstellung nicht verlieren, Obamas Maßnahmen seien eine enorme Chance. Auch der Berliner Solarmodulhersteller Solon kann rasch auf eine anziehende Nachfrage reagieren. Zwar müssten Obamas Ansagen erst noch in konkrete Regelungen umgesetzt werden, aber der wenige Monate alte Fertigungsstandort für Module in Tucson in Arizona halte noch eine zweite Produktionshalle bereit. Diese könne bei stark steigendem Absatz schnell in Betrieb genommen werden, sagte eine Sprecherin. Bisher lag die deutsche Exportquote für Solaranlagen und -techniken bei rund 43 Prozent, teilt die Agentur für erneuerbare Energien mit. Deutschland sei zudem Spitzenreiter im Bereich der installierten Solaranlagen.

Bei der Windkraft hingegen haben die USA Deutschland im vergangenen Jahr überholt. „Die USA sind Windweltmeister, also das Land mit den meisten installierten Anlagen“, erklärt Pieter Wasmuth, Finanzvorstand des Windkraftanlagenherstellers Repower. Von der Marktstimulanz des Obama-Paketes erhofft er sich langfristig, mindestens 20 Prozent seines Umsatzes in den USA zu realisieren. „Es gibt auf dem nordamerikanischen Markt noch sehr viele hervorragend geeignete Flächen für große Onshore-Projekte“, sagt Wasmuth. „Für uns ergeben sich sehr gute Marktchancen“. Bereits jetzt liege die deutsche Exportrate für Windkrafttechniken ebenso wie die für Techniken zur Energiegewinnung aus Wasserkraft bei über 80 Prozent.

In den USA sei die Akzeptanz erneuerbarer Energien in den letzten Jahren stetig gewachsen, sagt Nitzschke von Solarworld. Aufgrund der Landesstruktur sei die autonome Versorgung über dezentrale Netze gerade in ländlichen Regionen für viele eine echte Alternative. Auch Stars und prominente Amerikaner setzen sich vermehrt für die Nutzung von alternativen Energien ein: Zum Beispiel die amerikanische TV-Ikone Larry Hagman, besser bekannt als Fiesling JR Ewing aus der Serie „Dallas“. Seine 17 Hektar große Ranch in Kalifornien bezieht ihre Energie inzwischen vollständig von der Sonne. 

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