Energiepreise : Kartellamt ermittelt gegen Gasversorger

Ist Energie einfach teuer oder zahlen manche Bürger einfach zu viel für ihre monatliche Energie-Versorgung? Einige Unternehmen, darunter auch die Berliner Gasag, sollen zu hohe Preise verlangt haben.

Maren Peters

Berlin Viele Verbraucher haben schon lange den Eindruck, dass sie zu viel Geld für ihre Energie bezahlen müssen. Ob das stimmt, ermittelt jetzt das Bundeskartellamt. Die Bonner Behörde hat ein Missbrauchsverfahren gegen rund 35 Gasversorger eingeleitet, die zusammen vier Millionen Haushalts- und Gewerbekunden beliefern und rund 20 Prozent des Marktes abdecken. Auch die Berliner Gasag ist betroffen. Die Versorger stünden im Verdacht, ihr Gas zu überhöhten Preisen verkauft zu haben, teilte das Amt am Mittwoch mit. Sollte sich der Verdacht bestätigen, kann das Kartellamt die Unternehmen zwingen, ihre Preise zu senken.

Möglich werden die Ermittlungen auf Grundlage eines neuen Gesetzes, das seit Jahresbeginn ein schärferes Vorgehen gegen hohe Preise erlaubt (siehe Kasten).

„Nach derzeitigen Erkenntnissen erhebt eine Reihe von Unternehmen Gaspreise in einer Höhe, die sie bei funktionierendem Wettbewerb nicht fordern könnten“, sagte Kartellamtschef Bernhard Heitzer. Selbst dort, wo die Netzentgelte gering seien, werde dieser Kostenvorteil oftmals nicht an die Kunden weitergegeben. Die (genehmigungspflichtigen) Netzentgelte machen rund 16 Prozent des Gaspreises aus, 29 Prozent entfallen auf Steuern und Abgaben, die übrigen 55 Prozent hat sich das Kartellamt in einer bundesweiten Untersuchung genauer angesehen. Dabei stieß die Behörde auf Preisunterschiede von bis zu 45 Prozent zwischen den Unternehmen.

Die Gasag wies den Verdacht des Missbrauchs zurück. Man nutze „die Chancen im Wettbewerb durch eine Preisgestaltung, die den Wettbewerbsbedingungen entspricht“, teilte der Versorger mit. Die Preise der Gasag gehörten bundesweit zu den günstigen. Die Gasag ist das größte Erdgas-Versorgungsunternehmen der Stadt mit einem Marktanteil am Berliner Wärmemarkt von 46 Prozent und größter kommunaler Gasversorger Westeuropas.

Die Namen der übrigen verdächtigen Versorger nennt das Bundeskartellamt nicht. Nach Angaben einzelner Unternehmen sind aber viele Töchter der größten deutschen Energieversorger RWE und Eon sowie Stadtwerke und Regionalversorger im Visier der Wettbewerbshüter.

Berlins Wirtschaftssenator Harald Wolf (Linkspartei) begrüßte das Missbrauchsverfahren. „Das ist ein guter und richtiger Weg im Interesse der Verbraucherinnen und Verbraucher“, teilte Wolf mit. Das Kartellamt nutze die Möglichkeiten des verschärften Gesetzes. Auch Verbraucherschützer zeigten sich zufrieden mit dem Vorgehen der Behörde: „Es ist ein Lichtblick, dass das Bundeskartellamt seine neuen Befugnisse nutzt“, sagte Thorsten Kasper vom Bundesverband der Verbraucherzentralen. Zehn Jahre nach der Liberalisierung des Gasmarktes gebe es noch keinen richtigen Wettbewerb. „Haushaltskunden sind ihrem Versorger ziemlich ausgeliefert.“ Aribert Peters vom Bund der Energieverbraucher sagte, nicht nur bei den überprüften Versorgern sei Gas zu teuer, sondern bei allen Anbietern. Ein schnelles Ergebnis der Prüfung erwartet er nicht. Maren Peters

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