Energiepreise : "Öltanks leer wie nie"

Der Deutsche Mieterbund befürchtet, die Energiepreise könnten in den nächsten Monaten noch weiter steigen. Die Mieterorganisation empfiehlt Haushalten zum Beispiel, Heizöl möglichst spät zu kaufen.

Berlin (08.08.2005 - 15:35 Uhr) - Nach starken Aufschlägen auf die Strom-, Öl- und Gaspreise in den letzten Jahren befürchtet der Deutsche Mieterbund, dass in den kommenden Monaten weiter an der Energiekostenspirale für die privaten Haushalte gedreht wird. Seit 2000 sei der Aufwand für Licht, Heizung und Warmwasser zusammen bis ins laufende Jahr hinein um im Schnitt gut 30 Prozent in die Höhe geschnellt, sagte Mieterbund-Direktor Franz-Georg Rips am Montag in einem Gespräch mit der Nachrichtenagentur dpa.

Für den Drei-Personen-Haushalt in einer 70-Quadratmeter-Wohnung sei die Belastung jährlich um etwa 300 Euro höher als vor fünf Jahren, wie die Organisation ermittelte. Dies schlage auch auf den Wohnungsmarkt durch, weil den Mietern Kaufkraft und den Vermietern Mittel für Modernisierungsinvestitionen fehlten.

"Die Preisexplosion hält an, ein Ende ist nicht abzusehen", sagte Rips. Besonders beim Heizöl sei in den nächsten Monaten "erheblicher Druck im Kessel, weil die Öltanks im August noch nie so leer waren wie in diesem Jahr". Das werde vor Winterbeginn - voraussichtlich im September und Oktober - und unabhängig von der Weltmarktentwicklung eine preistreibende Zusatznachfrage auslösen. "Wer dieses Phänomen mit gering gefüllten Tanks noch aussitzen kann, sollte vielleicht eher im November und Dezember Heizöl kaufen. Dann müsste es wieder eine gewisse Normalisierung geben." Wer auf Ölpreissenkungen im Herbst spekuliert habe, liege diesmal zwar daneben, so Rips.

Für Heizöl zahle die Mieterfamilie in der 70 Quadratmeter-Wohnung in diesem Jahr - mit im Jahresschnitt 616 Euro - schätzungsweise etwa 160 Euro oder 35 Prozent mehr als im Jahr 2000. Damals habe der Durchschnittspreis bereits um 53 Prozent über dem des Jahres 1999 gelegen, sei danach aber bis 2002 gesunken und von da an bis 2005 um mehr als 50 Prozent wieder angestiegen.

Beim Gas habe der Preis im Mai dieses Jahres um 30,5 Prozent über dem Durchschnitt des Jahres 2000 gelegen. Für die 70-Quadratmeter- Wohnung bedeute das binnen fünf Jahren einen Anstieg der Gaskosten um 135 auf 575 Euro. "Weitere Preissteigerungen sind programmiert, da die Versorger den Gaspreis an den Höhenflug des Ölpreises anpassen."

Beim Strom muss der Drei-Personen-Haushalt nach Berechnungen des Mieterbundes in diesem Jahr mit einer Mehrbelastung von im Schnitt 170 Euro im Vergleich zu 2000 rechnen. "Die Liberalisierung des Strommarktes 1998 hat für die privaten Stromkunden nur wenig gebracht", so Rips. "Die Preise gingen zunächst bis zum Jahr 2000 zurück. Danach stiegen sie Schritt für Schritt über das Niveau vor Einführung der Liberalisierung an - nicht zuletzt wegen der Ökosteuer und der Strommarkt-Konzentration auf nur vier Konzerne." Bei den hohen Netzdurchleitungsgebühren hoffe er auf Abhilfe der Netzagentur.

"Es muss jetzt im gemeinsamen Interesse von Vermietern und Mietern liegen, die Energiekosten-Explosion zu senken", erklärte Rips. Für die Mieter gehe es um mehr Kaufkraft und für die Vermieter um größere Spielräume, um in den Gebäudeerhalt und die Senkung des Energiebedarfs zu investieren. Rips: "Wir sitzen da in einem Boot." (tso)

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