Energiesicherheit : Kein Plan für den Blackout

Behörden, Bürger und Firmen sind zu schlecht auf Stromausfälle vorbereitet, warnen Experten - vor allem im Großraum Berlin.

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Kerzen für den Notfall sind eher eine ungenügende Lösung.
Kerzen für den Notfall sind eher eine ungenügende Lösung.Foto: picture alliance / dpa-tmn

Deutschland und vor allem auch der Großraum Berlin sind unzureichend auf große Stromausfälle vorbereitet, die mit dem Fortgang der Energiewende aber immer wahrscheinlicher werden dürften. Darauf wiesen am Montag mehrere Experten auf einer Fachtagung hin, die unter der Schirmherrschaft von Berlins Innensenator Frank Henkel (CDU) in den Räumen seiner Senatsverwaltung stattfand. Gastgeber war der Verein Kompetenzzentrum Kritische Infrastruktur (KKI), der maßgeblich von Stromnetzbetreibern finanziert wird.

Bernd Krömer (CDU), der als Staatssekretär der Verwaltung stellvertretend für Henkel sprach, erinnerte an Großlagen der vergangenen Jahre wie die Hochwasser an Oder und Elbe, den Wirbelsturm Kyrill oder die tagelangen Stromausfälle im Münsterland, wo Strommasten im Jahr 2005 unter nassem Schnee zusammengebrochen waren. „Oft merken wir erst, wie stark wir von einer Dienstleistung abhängen, wenn sie plötzlich nicht mehr zu Verfügung steht“, sagte Krömer. Weil heute 80 Prozent der Netze von Privatunternehmen betrieben würden, steige dort auch der Kostendruck.

Zwar gebe es bei Behörden und Unternehmen viele Schutzkonzepte und Leitfäden für Stromausfälle, diese seien allerdings selten abgestimmt. „Auch wenn es derzeit noch sehr unwahrscheinlich ist, dass in ganz Deutschland die Lichter ausgehen, so steigt doch die Wahrscheinlichkeit von Störungen“, sagte Krömer. Netzbetreiber hätten die Pflicht, in einen Dialog mit Wirtschaft und Politik einzutreten, um diese zu minimieren.

Ulf Altmann, Vorsitzender des KKI, sagte, dieser Dialog werde durch den Umstand erschwert, dass das Netz seit der Liberalisierung in die Hände tausender Protagonisten gekommen sei. „Das sollte uns nicht erschrecken, aber es erhöht den Abstimmungsbedarf. Auch die zunehmende digitale Vernetzung sei ein Problem. Heute kommuniziere ja jeder über Handy und Internet, diese würden im Falle eines Stromausfalls aber meist nicht funktionieren.

Hans-Liudger Dienel vom Zentrum für Technik und Gesellschaft an der TU Berlin erklärte die gestiegene Stromausfallwahrscheinlichkeit mit den Erneuerbaren Energien, die vor allem in die Stromverteilernetze einspeisen, wofür diese ursprünglich nicht ausgelegt sind. Früher hätten bekanntlich nur wenige Großkraftwerke Strom eingespeist, heute kommen hunderttausende Windräder und Solaranlagen dazu. „Steigende Komplexität erhöht aber die Fehleranfälligkeit“, sagte Dienel. Zudem gebe es ein fehlendes Problembewusstsein in der Bevölkerung. Dienel schlug vor, für die Öffentlichkeit wichtige Einrichtungen dazu zu verpflichten, wenigstens Notstromaggregate bereitzuhalten.

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