Energietage : Deutsche freuen sich auf Öko-Dollars

Erste Deutsch-Amerikanische Energietage in Berlin

Kevin P. Hoffmann
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Prärie-Winde. Dieses Windrad in Colorado soll bald Gesellschaft bekommen. Foto: AFP

Berlin - Auch bei den US-Vertretern der Ökostrombranche gab es am Montag zunächst nur ein Thema: „Als ich vorhin auf meinem Blackberry gelesen habe, dass Rick Wagoner abgetreten ist, dachte ich: wow“, sagte ein Unternehmer beim Orangensaft zu einem Kollegen. Der sagte: „Wurde aber doch langsam Zeit, oder?“ Montagmorgen, kurz vor der Eröffnung der 1. Deutsch-Amerikanischen Energietage in Berlin, ging es erst um den Rücktritt des GM-Chefs – wohl auch, weil die Personalie zeigt, wie die US-Regierung Druck machen kann, wenn man nicht pfleglich mit Steuergeldern umgeht.

Bei den Branchen der erneuerbaren Energien muss noch kein Manager um seinen Posten fürchten. Die Ökostrombranche muss erst noch beraten, wie sie das ganze Geld einsetzen soll, das die Regierung bereitstellt: 16,8 Milliarden Dollar (12,7 Milliarden Euro) gab Barack Obama bereits Mitte Februar für Programme frei, die die energetische Sanierung des Landes und die erneuerbare Energien vorantreiben sollen – zehnmal so viel wie sein Vorgänger Bush für die gleichen Zwecke für 2008 veranschlagte. Und in den kommenden zehn Jahren wollen die USA sagenhafte 150 Milliarden Dollar in Erneuerbare stecken.

Damit auch deutsche Unternehmen, von denen einige in ihren Teilbranchen Weltmarktführer sind, einen größeren Teil der Fördersumme abgreifen können, organisierten die Deutsche Energieagentur Dena und die Deutsch-Amerikanische Handelskammer diese neue Konferenz im Berliner Ludwig-Ehrhard-Haus. Die soll künftig halbjährlich stattfinden, im Herbst in den USA. 450 Experten beraten vier Tage über die Umsetzung der Förderung. „Endlich mal keine Krise, endlich mal keine Angst vor Enteignung der Banken oder vor Hyperinflation“, freute sich DIHK-Hauptgeschäftsführer Martin Wansleben in seiner Begrüßungsrede.

Wirtschaftsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) zitierte Obama mit den Worten „Deutsche Investitionen in erneuerbare Energien sind beispielhaft“ und fügte hinzu: „Diesen Satz nehmen wir gerne auf“. Bei den Erneuerbaren gingen die USA jetzt einen Weg, den Deutschland schon seit 20 Jahren gehe. „Wir melden uns als kompetenter und fähiger Partner zur Stelle“, sagte er und verwies darauf, dass auch Deutschland in seinen Bemühungen nicht nachlassen dürfe. Dabei gehe es auch um die Verringerung der Abhängigkeit von Rohstoffimporten, wie der Gasstreit zwischen Russland und der Ukraine zuletzt wieder deutlich gemacht habe.

Peter Ammon, Staatssekretär im Außenamt, sagte, man müsse in Erneuerbare investieren, auch um den wachsenden Energiehunger in den Schwellenländern zu stillen. Sonst seien Frieden und Wohlstand bedroht. „Zugleich müssen wir dafür sorgen, dass die Temperatur um nicht mehr als zwei Grad steigt“.

Die Amerikaner machten deutlich, dass bei Obamas Programmen nicht der Klimaschutz im Vordergrund steht. „Die Menschen in Europa müssen verstehen, dass es uns in den USA vor allem um nationale Sicherheit geht, also die Unabhängigkeit von ausländischen Rohstoffen“, sagte John M. Koenig, Gesandter der US-Botschaft. Und sein Landsmann Michael Eckhart, Chef der US-Energieagentur ACORE, versuchte die Erwartungen der deutschen Solar- und Windkraft-Unternehmer zu dämpfen, als er sagte: „Die Gelder dürften nicht vor 2010 ankommen. Und vergessen Sie bitte nicht, dass auch die Erneuerbaren abhängig von der gesamten Wirtschaft, also von der Finanzkrise, sind“. Kevin P. Hoffmann

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