Energieunternehmen : Vattenfall: Erst Rauscher, dann Josefsson

Ein weiterer Vattenvall-Chef stürzt über die Pannen in Brunsbüttel und Krümmel. Die schwedische Regierung sucht Nachfolger.

Alfons Frese
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Stolperstein. Die Pannen im AKW Brunsbüttel werden Josefsson angelastet. Foto: ddpddp

Berlin - Lars Göran Josefsson hinterlässt einen zwiespältigen Eindruck. Der Schwede ist freundlich und verbindlich, immer ein Lächeln im Gesicht, nett. Er ist kalt wie eine Hundeschnauze, sagen bisweilen Aufsichtsräte über den Vattenfall-Chef, der den drittgrößten deutschen Energiekonzern von Stockholm aus an der kurzen Leine führt. Die in Berlin ansässige Vattenfall Europe ist mit Abstand die wichtigste Tochter des schwedischen Staatskonzerns Vattenfall AB, der von Josefsson geführt wird. Noch. Am Freitag legte die schwedische Wirtschaftsministerin Maud Olofsson auf den Spitzenmanager an. Die Regierung wolle „so schnell wie möglich“ einen Wechsel an der Konzernspitze; schon „seit längerem“ suche man einen Nachfolger. Das ist der Blattschuss für den 59-jährigen, passionierten Elchjäger.

Der Physiker und Ingenieur ist der Politik zu eigenmächtig geworden. Seinen Plan, das schwedische Stromnetz zu verkaufen und mit dem Erlös ein Atomkraftwerk in Großbritannien zu bauen, kassierte die Ministerin. Seit längerem kritisiert sie das Engagement von Vattenfall in der ostdeutschen Braunkohle, mit Abstand der schmutzigste Brennstoff bei der Stromgewinnung. Und die teuren Pannen bei den norddeutschen Atomkraftwerken Krümmel und Brunsbüttel, die seit bald zweieinhalb Jahren außer Betrieb sind, werden nun auch Josefsson angelastet. Das wiederum wird Klaus Rauscher mit Genugtuung registrieren. Der hatte einst als Chef von Vattenfall Deutschland die von Josefsson forcierte Bildung eines neuen deutschen Energieriesen umgesetzt: Den Zusammenschluss der Hamburger HEW und der Berliner Bewag mit den ostdeutschen Braunkohlekonzernen Veag und Laubag.

Rauscher war erfolgreich und achtete sehr auf Unabhängigkeit der deutschen Tochter von der schwedischen Mutter. Ungefähr nach dem Motto: Jeder Cent, der in Deutschland verdient wird, bleibt hier und wird hier reinvestiert. Das Verhältnis zwischen Rauscher und Josefsson verschlechterte sich zunehmend, und so kam dem Schweden die AKW-Pannenserie im Sommer 2007 gerade recht, um Rauscher abzusetzen. In diesem Sommer, kurz nach Wiederanfahren der Anlange, gab es wieder Pannen. Und jetzt ist Josefsson dran.

Der verdingte sich ein paar Jahr auch als Klimaberater der deutschen Kanzlerin und bemühte sich um einen grünen Anstrich. Was nicht ganz einfach ist, bei einem Konzern, der im Jahr rund 80 Millionen Tonnen Braunkohle in vier Großkraftwerken verstromt. Einen profitableren Brennstoff gibt es nicht: Die Kohle wird ohne viel Aufwand im Tagebau gefördert und gleich nebenan im Kraftwerk verfeuert.

Damit diese ergiebige Quelle in der Lausitz noch möglichst lange sprudelt, setzt sich Josefsson seit Jahren für CCS (Carbon Capture and Storage) ein, die Abscheidung und Speicherung von CO2, mit der auch das schmutzigste Braunkohlekraftwerk noch einigermaßen umweltverträglich betrieben werden kann. Josefsson veranstaltete Managermeetings in Schwarze Pumpe, um bei der Gelegenheit die dortige CCS-Pilotanlage als Zukunftsprojekt zu bewerben. „Er vertritt sehr glaubwürdig die Idee der CO2-freien Braunkohleverstromung“, heißt es anerkennend im Unternehmen. Ob das auch für seinen Nachfolger gilt?

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