Energieversorger : Gaspreise entwickeln sich auseinander

Viele Energieversorger heben jetzt ihre Tarife an, einige senken sie. Verbraucher sollten einen Wechsel ihrer Anbieter prüfen.

Kevin P. Hoffmann
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Berlin - Die Zusammensetzung und die Entwicklung der Gaspreise ist eine Wissenschaft für sich. Viele Gaskunden sind ratlos, am Ende bleibt nur das Gefühl, dass die Preise im Sommer fallen und im Winter steigen. Auch Energieexperten beklagen die verkrusteten Märkte und die undurchsichtigen Lieferverträge in der Branche. Immerhin lässt sich jetzt aber feststellen, dass Bewegung in den Markt kommt – die Versorger gestalten ihre Preispolitik derzeit sehr unterschiedlich. Für Gasverbraucher bedeutet das: Es lohnt sich mehr denn je, einen Anbieterwechsel zumindest zu prüfen.

Vor einem Jahr noch lagen die Gasversorger mit ihren Preisen dichter beieinander. Zudem verlangten sie für den Brennstoff 2008 im Durchschnitt so viel Geld wie noch nie seit der Deutschen Einheit. Das teilte das Statistische Bundesamt am Montag mit. 4,23 Cent je Kilowattstunde nahmen sie von Privatkunden ein – plus Steuern. Das war gut neun Prozent mehr als 2007 und mehr als doppelt so viel wie 1999. Industriekunden berechneten sie sogar 21 Prozent mehr als im Vorjahr.

Dann begann das Krisenjahr 2009. Die Industrie schraubte ihre Aktivitäten zurück, damit fiel die weltweite Gas-Nachfrage und fielen die Preise für Industrie- und Privatkunden um rund ein Viertel. Jetzt steht der Markt am Scheideweg, weil die weitere Entwicklung der Konjunktur unklar scheint. Gashändler können sich offenbar nicht entscheiden und gehen daher unterschiedliche Wege.

Das Unternehmen Verivox, das eine Internetseite für Tarifvergleiche betreibt, teilte am Freitag mit, dass 51 Anbieter zum Januar die Preise anheben wollen. Da einige Großversorger darunter sind, seien rund zwei Millionen Kunden in Deutschland betroffen. 48 Anbieter würden dagegen die Tarife senken. Im Schnitt sollen die Preise um 5,2 Prozent steigen, was für einen Durchschittshaushalt rund 60 Euro Mehrkosten im Jahr bedeute. Der Berliner Versorger Gasag, der fast vier von fünf Kunden in der Hauptstadt versorgt, hatte dagegen zuletzt zugesagt, seine Tarife bis Ende März stabil zu halten.

Holger Krawinkel, der Energieexperte der Verbraucherzentralen, rechnet sogar damit, dass die Verbraucherpreise für Gas im Winter im Schnitt um bis zu 15 Prozent steigen. Dafür macht er die Ölpreisbindung verantwortlich. Schon vor Jahrzehnten hatten die deutschen Importeure langfristige Verträge mit den Lieferländern abgeschlossen, in denen die Entwicklung der Gaspreise an die des Öls gekoppelt wurde. Damit sollten die Erschließung von Gasfeldern und der Bau von Pipelines finanziert werden. Zwar versuchen Großhändler wie Eon Ruhrgas, Verträge nachzuverhandeln, aber vor allem die Russen sperren sich dagegen. Sie profitieren derzeit von der Ölpreisbindung, da sich der Ölpreis von seinem Tief im Dezember 2008 mittlerweile wieder verdoppelt hat. Händler, die solche Verträge abgeschlossen haben, müssen jetzt mehr für Gas zahlen und die Kosten an die Kunden weitergeben.

Aber Rettung naht, glaubt Krawinkel: „Es wird reihenweise Anbieter geben, die die Preise nicht erhöhen müssen, weil sie keine Verträge mit Ölpreisbindung haben.“ Dementsprechend dürften die Preisunterschiede weiter wachsen, weshalb Gaskunden auch künftig regelmäßig einen Anbieterwechsel prüfen sollten.

Über kurz und lang dürften die Gaspreise aber weiter steigen. In den USA etwa, wo die Ölpreisbindung unüblich ist, sind die Preise wegen des aktuellen Kälteeinbruchs kurzfristig gestiegen. Und Claudia Kemfert, Energieexpertin beim DIW, glaubt, dass die Nachfrage auch langfristig steigen wird, da der Energieträger Gas auch aus Klimaschutzgründen künftig mehr eingesetzt werden dürfte als zum Beispiel Kohle.

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