Wirtschaft : Energieversorger: Keine Alternative zur Stromfusion

Antje Sirleschtov

Einen ganzen Sommer Ruhe haben uns die Stromkonzerne Mirant und Vattenfall gegönnt. Und nun, pünktlich zum beginnenden Herbst, rasseln die Säbel wieder. "Komplexe Themen" seien noch zu besprechen, sagt der Unterhändler der Amerikaner zur Bildung des neuen nordostdeutschen Stromkonzerns, bevor die Unternehmen Bewag, HEW, Veag und Laubag unter einem Dach vereint werden können. Komplexe Themen? Das klingt nicht nach rascher Absprache über einige wenige Seitenaspekte. Das klingt eher nach einem Deutsche-Dresdner-Bank-Déjà vu. Zur Erinnerung: Erst wurden Sinn und Synergien der Fusion gelobt und gefeiert, dann ging man mit einem lauten Knall auseinander.

Auch zwischen Berlin und Hamburg könnte es knallen. Schon sind die ersten Gesprächspartner des ewigen Streits um die Details der geplanten Fusion müde, schon die Fronten verhärtet. Ursache für das Dilemma ist der Grundkonflikt. Wenn zwei große Spieler im Strommarkt mit zwei engagierten Strategien zusammen kommen wollen, dann ist der Erfolg von Anfang an zweifelhaft. Einer wird sich durchsetzen, Pläne und Geschäftsverlauf bestimmen. Und der andere wird sich als einflussloser Mitläufer verstehen, womöglich noch als finanziell ausgesaugter. Aber deshalb die Flinte ins Korn werfen? Wer sich jetzt mit Szenarien beschäftigt, wie Vattenfall und Mirant aus dieser Partnerschaft herausfinden können, der muss sich bewusst machen, dass weder Bewag noch HEW oder die Veag-Laubag-Gruppe allein eine rosige Zukunft vor sich hätte. Denn die Verteilung des europäischen Strommarktes ist bereits in vollem Gang - wobei die Großen hier die Kleinen fressen. Und weil auch die Schweden und Amerikaner allein wenig Chancen in diesem neuen Markt hätten, kann es jetzt für Mirant und Vattenfall nur einen gemeinsamen Weg geben.

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