Wirtschaft : Energieversorger: Streit zwischen Schweden und Amerikanern

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Mit den Energiekonzernen Mirant (früher Southern Energy) und Vattenfall hätten sich kaum zwei unterschiedlichere Unternehmen zur Führung einer Partnerschaft entscheiden können. Vattenfall ist ein zu 100 Prozent im Besitz des schwedischen Staates befindlicher Konzern, der sich in Nordeuropa eine beachtliche Marktposition aufgebaut hat und nun einen deutschen Konzernteil gründen will, über den die weiteren Expansionsschritte in Osteuropa abgewickelt werden können. Der Chef von Vattenfall, Lars G. Josefsson, hatte erst vor wenigen Wochen gesagt, dass sein Ziel vor allem darin besteht, ein geschlossenes Verbreitungsgebiet von Skandinavien über Ostdeutschland bis nach Osteuropa zu errichten. Den Betrieb von Atomkraftwerken hat er dabei unbestritten auf der Rechnung.

Ganz andere Ziele verfolgt der Mirant-Konzern, der in den Südstaaten der USA zu den größten Energieversorgern gehört. Dem börsennotierten Unternehmen mit Sitz in Atlanta geht es auf dem alten Kontinent nicht so sehr um die Errichtung von Verbreitungsgebieten. Mirant tritt in Europa vor allem als Stromhändler auf, der sich zur Absicherung auch von spekulativen Geschäfte Kraftwerkskapazitäten einkaufen will. Oberstes Unternehmensziel war und ist es dabei noch immer, bei Partnerschaften Mehrheitseigentümer zu werden, um den Einfluss auf Geschäftserfolg und Unternehmenspolitik nicht zu verlieren.

Nachdem sich Mirant und Vattenfall monatelang erbitterte Schlachten um die Vorherrschaft bei der ehemals landeseigenenen Berliner Bewag geliefert hatten, boten sie im Sommer der Öffentlichkeit ein Bild der Partnerschaft. Nun streiten beide Parteien wieder - oder immer noch - um Machtpositionen und Einfluss in dem neuen Konzern. Und ob die grundsätzlichen Differenzen um Aktienanteile und die Besetzung von Vorstandspositionen letztlich ausgeräumt werden können, ist nach wie vor offen.

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