Energieversorger : Vattenfall-Chef prophezeit Berlinern steigende Strompreise

Schwedens Staatsversorger Vattenfall leidet unter fallenden Strompreisen an den Großmärkten. Auf sinkende Preise sollten die deutschen Endkunden in Berlin und Hamburg aber nicht hoffen - im Gegenteil.

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Konzernchef Øystein Løseth kämpft mit sinkenden Preisen und rückläufiger Nachfrage
Konzernchef Øystein Løseth kämpft mit sinkenden Preisen und rückläufiger NachfrageFoto: Reuters

Vattenfall hat 2012 so viel Strom wie noch nie produziert. Wegen der relativ schwachen Konjunktur wurde aber gleichzeitig weniger Energie gebraucht. Ergebnis: Die Preise an der für Zentraleuropa wichtigen Plattform Epex brachen um fast 17 Prozent gegenüber dem Vorjahr ein. In Skandinavien (Nord Pool) sogar um fast 34 Prozent, wie der schwedische Staatskonzern am Dienstag am Konzernsitz bei Stockholm mitteilte.

„2012 war ein schwieriges Jahr für den gesamten europäischen Energiesektor und die Branche steht vor erheblichen Herausforderungen“, sagte Konzernchef Øystein Løseth in einer Telefonkonferenz. Die Nachfrage sei aufgrund der wirtschaftlichen Rezession nach wie vor verhalten. Zugleich gelangten neue Kapazitäten, vor allem erneuerbare Energien, in den Markt, die zu niedrigeren Strompreisen führten.

Løseth räumte auf Tagesspiegel-Nachfrage ein, dass vor allem Kunden in Deutschland von dem Trend nicht profitieren werden. „Steigende Kosten für den nötigen Stromnetzausbau und die Subvention der erneuerbaren Energien, werden weiterhin einen Effekt auf die Endkundenpreise haben“, sagte. „Aber letztlich ist es eine Entscheidung der deutschen Politik, ob sie die Erneuerbaren weiterhin fördern will.

Vattenfalls Umsätze gingen insgesamt kräftig um 7,6 Prozent zurück auf 167,3 Milliarden Kronen (19,5 Milliarden Euro). Allerdings waren hier weniger fallende Preise der Grund, sondern Verkäufe von Geschäftsteilen in Belgien und Polen. Der operative Gewinn (ohne Sondereinflüsse) sank um 9,9 Prozent auf 27,7 Milliarden Kronen (3,2 Milliarden Euro). Nur durch einen Buchhaltungstrick des Staates – er senkte die Umsatzsteuer von 26 auf 22 Prozent – stieg der Gewinn am Ende um 65,4 Prozent auf 17,2 Milliarden Kronen (zwei Milliarden Euro).

Das Deutschland-Geschäft, das Vattenfall von Berlin aus steuert, trug 69 Prozent zum gesamten Umsatz und 40 Prozent zum Gewinn bei. In Berlin und Hamburg ist der Konzern als Käufer der Bewag Beziehungsweise HEW zudem der Grundversorger, weshalb er in den Metropolen noch fast 80 Prozent der Haushalte beliefert. In der Lausitz betreibt er zudem den Braunkohletagebau inklusive dem Großkraftwerken in Schwarze Pumpe und Boxberg in Sachsen.

Was den Ausbau dieser Aktivitäten in Ostdeutschland angeht, stellte Løseth auch klar: „Wir werden kein neues Kraftwerk bauen, ohne CCS“. Im vergangenen Jahr war ein Gesetzesvorhaben gescheitert, das diese Technologie zur Abscheidung und Speicherung von Kohlendioxid in Pilotversuchen erlaubt hätte.

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