Energieversorgung : Estland boykottiert Ostsee-Pipeline

Auch in Estland gibt es keine Begeisterung für die deutsch-russische Gas-Pipeline. Dem Konsortium Nord Stream wurden Arbeiten in estnischen Gewässern verboten. Jetzt soll die Leitung durch finnisches Gebiet verlegt werden.

TallinnDem Pipeline-Konsortium Nord Stream seien Untersuchungen vor der estnischen Küste aus Gründen des Umweltschutzes untersagt worden, teilte der Chef der konservativen Regierungspartei Pro Patria-Res Publica, Mart Laar, mit. Nord Stream kündigte daraufhin an, an seinem ursprünglichen Plan festzuhalten und die Ostsee-Pipeline durch finnische Gewässer bauen zu lassen. Sie soll künftig Erdgas von Sibirien nach Deutschland leiten. An dem Konsortium sind Gazprom, Eon und die BASF-Tochter Wintershall beteiligt.

Wegen der "enormen Risiken" für die Umwelt habe Estland keine andere Wahl gehabt, als die Untersuchungen in der Wirtschaftszone, die bis 370 Kilometer vor die Küste eines Staates reicht, abzulehnen, hatte Mart Laar nach einer Kabinettssitzung gesagt. Zudem hätten die Pläne von Nord Stream "falsche technische Informationen" enthalten. Auch hätte das Konsortium seine Arbeiten dafür nutzen können, Informationen über die natürlichen Ressourcen Estlands zu sammeln. Die Konservativen fürchten, die Arbeiten könnten ein Sicherheitsrisiko für das Land darstellen. Sie werfen Russland vor, das Projekt als Vorwand nutzen zu wollen, um die Überwachung des ehemaligen Hoheitsgebiets auszudehnen.

Zahlreiche Reibungspunkte zwischen Estland und Russland

Außenminister Urmas Paet sagte nach der Kabinettssitzung, die Betreibergesellschaft Nord Stream sollte sich nach Alternativen nicht nur in der Ostsee umsehen, sondern auch eine landgestützte Variante von Russland nach Deutschland erwägen. Die Baltenrepubliken erlangten 1991 nach dem Zerfall der Sowjetunion ihre Unabhängigkeit zurück. Seither gibt es eine Vielzahl von Streitthemen. Die Beziehungen zwischen Estland und Russland verschlechterten sich im April erheblich, nachdem die estnische Regierung ein Mahnmal zu Ehren der Roten Armee aus dem Zentrum der Hauptstadt entfernen ließ.

Nach der Absage Estlands erwägt Nord Stream zu seiner ursprünglichen Planung für die Pipeline zurückzukehren. "Wenn wir in estnischen Gewässern keine Untersuchungen machen dürfen, werden wir sicher zu unserem ursprünglichen Projekt zurückkehren", sagte ein Nord-Stream-Sprecher. Dieses sah vor, die Pipeline von Russland durch finnische, schwedische und dänische Gewässer ins deutsche Greifswald führen zu lassen. Finnland hatte jedoch zunächst gefordert, aus Gründen des Umweltschutzes die Route zu verlegen. Daraufhin hatte das russisch-deutsche Konsortium am 31. Mai bei Estland angefragt. Durch das Verbot verschiebe sich der Bau der Pipeline nicht, sagte Müller.

Der 2005 beschlossene Bau der 1200 Kilometer langen Gas-Pipeline durch die Ostsee von Russland nach Deutschland ist in der Ukraine, Polen und den Baltenstaaten höchst umstritten. Die Länder fürchten Umsatzeinbußen für eigene Gasleitungen sowie Umweltschäden durch den Bau der Untersee-Leitung. Ab 2010 soll die Pipeline jährlich bis 55 Milliarden Kubikmeter sibirisches Erdgas nach Deutschland und Westeuropa befördern. Das Nord-Stream-Konsortium ist auch bekannt geworden, weil Altkanzler Gerhard Schröder dort Aufsichtsratschef ist. (mit AFP)

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