Energieversorgung : Wirtschaftsinstitute fordern Korrektur am Atomausstieg

Sicherheit oder Wirtschaftlichkeit? In Zeiten der Krise bekommt die Debatte über Versorgungssicherheit und Wettbewerbsfähigkeit neue Nahrung. Führende Wirtschaftsforschungsinstitute fordern Korrekturen am geplanten Atomausstieg.

AKW Philippsburg
AKW Philippsburg: Wirtschaftsinstitute werben für Atomenergie. -Foto: dpa

BerlinDie Wirtschaftskrise hat die Debatte über die Nutzung von Atomkraft neu entfacht. In der vergangenen Woche hatte sich die CDU erneut für längere Laufzeiten von Atomkraftwerken ausgeprochen. Nun fordern auch führende Wirtschaftsforschungsinstitute Korrekturen am geplanten Atomausstieg. So erklärte der Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), Klaus Zimmermann: "Nach Beherrschung der Finanzkrise wird die Energieknappheit wieder unsere größte Herausforderung darstellen." Es erscheine deshalb sinnvoll, "den Ausstieg deutlich hinauszuzögern". Dies diene auch dem Umweltschutz, weil damit eher auf umweltschädliche Energieproduktion verzichtet werden könne.

Auch der Präsident des Münchner Ifo-Instituts, Hans-Werner Sinn, kritisierte, der Ausstieg schade sowohl der Wirtschaft als auch den Verbrauchern über höhere Strompreise. Er warnte: "Wir sind als Industriestaat auf billige Energie angewiesen." Deutschland benötige deshalb dringend neue Atomkraftwerke mit modernen Sicherheitsstandards für die Stromversorgung.

Atomstrom aus Tschechien und Frankreich?

Der Direktor des Hamburgischen Weltwirtschaftsinstituts (HWWI), Thomas Straubhaar, betonte: "Bezogen auf bestehende Atomkraftwerke sollten zunächst Sicherheitsaspekte und dann Wirtschaftlichkeitsaspekte Berücksichtigung finden." Atomkraftwerke, die nicht mehr sicher seien, müssten abgeschaltet werden. Ansonsten sollte man "die bestehenden Atomkraftwerke aus Wirtschaftlichkeitsgründen so lange laufen lassen, wie sie die Sicherheitsvorschriften erfüllen".

Der Präsident des Rheinisch-Westfälischen Instituts für Wirtschaftsforschung (RWI) in Essen, Christoph M. Schmidt, mahnte längere Laufzeiten von Kernkraftwerken an. Er betonte: "Einen Großteil der bestehenden Kernkraftwerke über die geplante Laufzeit hinweg weiter zu betreiben, wäre unter allen Aspekten des energiepolitischen Zieldreiecks wünschenswert - aus Gründen der Wirtschaftlichkeit, zur Senkung des Treibhausgasausstoßes und unter dem Gesichtspunkt der Versorgungssicherheit." Mit dem bisher geplanten Abschalten könne kein Problem gelöst werden. Der RWI-Präsident fügte hinzu: "Atomstrom würde dann wohl aus Frankreich und Tschechien importiert, von den damit verbundenen Risiken wären die Bundesbürger unverändert betroffen."

Der Präsident des Instituts für Wirtschaftsforschung in Halle (IWH) betonte, die Wettbewerbsfähigkeit Deutschlands werde im Falle eines endgültigen Ausstiegs beispielsweise gegenüber den osteuropäischen Staaten sowie Frankreich und England verringert. Dies sei "der Preis, der dann bewusst gezahlt werden muss". Blum fügte hinzu: "Hier ist nichts zu beschönigen!" Man müsse den Menschen "deutlich sagen, dass der Ausstieg auch zulasten von Arbeitsplätzen geht". (nis/ddp)

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