Energiewende in der Hauptstadt : Berlin als Batterie für Deutschland

Die Konzepte von Vattenfall und Eon für die energiepolitische Kooperation mit dem Senat: Vorteil für Eon.

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Die Fernwärme spielt eine große Rolle in der Energiewende, da Grünstrom in Wärme umgewandelt werden kann.
Die Fernwärme spielt eine große Rolle in der Energiewende, da Grünstrom in Wärme umgewandelt werden kann.Foto: Imago/Olaf Wagner

Der Gewinner ist – Eon. So könnte man das Ergebnis der Gespräche des Senats mit drei potenziellen Partnern für die Umsetzung der Energiewende in Berlin zusammenfassen. Seit August hatten Finanzsenator Matthias Kollatz-Ahnen (SPD) sowie Wirtschaftssenatorin Cornelia Yzer (CDU) mit Vertretern von Vattenfall, Engie und Eon über deren Ideen für eine Kooperation mit dem Land verhandelt. Diese drei Unternehmen standen deshalb zur Debatte, weil ihnen die Gasag gehört. Die französische Engie kam indes nicht wirklich in Betracht: Ihre Vorschläge blieben „vergleichsweise wenig konkret“, heißt es beim Finanzsenator. Also bleiben Eon und Vattenfall.

Berlin soll zur Smart City werden

Das Ziel des Senats: Mehr Einfluss auf die Gas- und Stromanbieter, auch durch eine Beteiligung „an den Berliner Gas- und Stromunternehmen beziehungsweise ihren Netzgesellschaften“. Ferner soll Berlin eine Smart City werden und die CO2-Emissionen müssen bis 2050 um 85 Prozent sinken. Die Unternehmen allein, so die überraschend selbstbewusste Einschätzung der Finanzverwaltung, würden „ohne ein starkes Engagement des Landes nicht die notwendige Dynamik entwickeln, um die Energiewende zu beschleunigen und Berlin energiepolitisch als Stadt mit Vorbildcharakter voranzubringen“.

Für den Düsseldorfer Eon-Konzern spricht die Bereitschaft zur „partnerschaftlichen Kooperation“, wie es im Haus von Kollatz-Ahnen heißt. Das Land würde die „attraktivsten Steuerungs- und Einflussmöglichkeiten erhalten, zumal Eon sich im Netzbereich auch eine Minderheitsbeteiligung für sich vorstellen kann“. Anders Vattenfall. Der schwedische Staatskonzern „sieht eine geringe Beteiligungshöhe für das Land beim Gasnetz vor“. Direkte Einflussmöglichkeiten hätte Berlin nur bei den Themen Energiesparen und Erneuerbare Energien. Kurzum: Das Land Berlin kommt mit seinen Rekommunalisierungswünschen in einer Partnerschaft mit Eon weiter als mit Vattenfall.

Abgestimmte Netzplanung

Ein weiterer Pluspunkt für Eon sind die integrierten Netze: Die Zusammenführung von Gas-, Strom- und Fernwärmeleitungen. Koordinierung und Digitalisierung der Netze ist für die Eon-Strategen „eine der zentralen Herausforderungen der Energiewende, um fluktuierende erneuerbare Energien aufzunehmen und bedarfsgerecht nutzbar zu machen“. Alle Netze in einer Hand – das erleichtere eine „abgestimmte Netzplanung“, verbessere den Kundenservice und könnte über Effizienzgewinne sogar die Energiepreise drücken, argumentiert Eon.

Finanzsenator Kollatz-Ahnen sieht das ganz ähnlich, ein Smart Grid sei hilfreich bei der Profilierung Berlins als Smart City. Doch es gebe im Eon-Konzept „Risiken hinsichtlich der Versorgungssicherheit, da das Konzept nicht auf den in Berlin vorhandenen Infrastrukturen aufsetzt“. Das ist der springende Punkt: Dem Platzhirschen Vattenfall gehört das Strom- und das Fernwärmenetz, die Kraftwerke und rund ein Drittel der Gasag und des Gasnetzes. Eon ist bislang nur als einer von drei Eigentümern der Gasag wirklich präsent in der Stadt und hat dazu auch noch die beiden anderen Gasag-Aktionäre Vattenfall und Engie, die sich verbündet haben, gegen sich.

Der Senat lässt offen, welche Bedeutung er einem integrierten Energienetz gibt. Zu Vattenfall heißt es in dem Zusammenhang, ein „koordinierter Spartenbetrieb“, also der getrennte Betrieb der Netze, sei „einerseits mit einem kostenoptimalen Transformationspfad verbunden“ und biete „andererseits aber auch geringere Chancen zur Entwicklung Berlins als führender Smart City“.

Berlin als Vorreiter in Speichertechnologie

Ausgehend von der Erfahrung und den Kapazitäten in der Stadt kann Vattenfall alles in allem konkreter als Eon die nächsten Schritte der Energiewende nennen und zum Teil quantifizieren. So etwa das Investitionsvolumen von zwei Milliarden Euro bis 2020 in die Strom- und Wärmeversorgung; bis 2030 seien es sogar elf Milliarden Euro. Im Mittelpunkt des Vattenfall-Konzepts steht „Power-to-Heat“, also die Umwandlung von erneuerbarem Strom in Wärme. Für den schwedischen Konzern ist das „eine Schlüsseltechnologie für die Versorgung des städtischen Gebäudebestandes“ und eine flexible Nutzung der zunehmenden Kraft-Wärme-Kopplung. „Wir machen Berlin mit einer kostengünstigen und effizienten Speichertechnologie zur größten Batterie Deutschlands, zum Vorreiter der deutschen Energiewende“, heißt es im Bewerbungsschreiben von Vattenfall. Bis 2030, „spätestens jedoch 2035“ will Vattenfall den Kohleausstieg geschafft haben und die Berliner Kraftwerke Moabit und Reuter West auf Gas umstellen.

Partnerschaft auf Augenhöhe

Eon dagegen betont die „Partnerschaft auf Augenhöhe“ mit dem Land. Energiesparen sowie die Nutzung der Erneuerbaren sind für die Düsseldorfer „die wesentlichen Hebel“ für das Gelingen der Energiewende. Auch Eon betont die „stärkere Rolle“ von Power-to-Heat: Der im brandenburgischen Umland erzeugte Grünstrom könne in Wärme für die Berliner umgewandelt werden. Und auch Eon will Strom mit Hilfe von KWK-Anlangen immer dezentraler produzieren, Gebäude energetisch sanieren und die Elektromobilität ausbauen. Eine mit dem Senat zu gründende Kooperationsgesellschaft soll binnen fünf Jahren die landeseigenen Gebäude sanieren, 500 KWK-Anlagen sowie 10 000 Dächer mit Photovoltaik ausrüsten. „Gemeinsam arbeiten wir so am Stadtwerk der Zukunft“, wirbt Eon für sich als Partner der Berliner Politik.

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