Energiewende : Kunden ärgern sich über hohe Strompreise

Der Strom wird immer teurer. Dennoch finden die Verbraucher die Energiewende richtig.

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Strom von der Sonne. In diesem Sommer gibt es davon reichlich.
Strom von der Sonne. In diesem Sommer gibt es davon reichlich.Foto: dpa

Ja, aber. Mit diesen zwei Worten lässt sich umschreiben, was deutsche Verbraucher von der Energiewende halten. Zwei Jahre nach dem Start finden noch immer 82 Prozent der Bürger den Ausstieg aus der Kernenergie richtig, wie aus einer neuen Forsa-Studie im Auftrag des Bundesverbandes der Verbraucherzentralen (VZBV) hervorgeht. Allerdings ist die Zahl der Befragten (48 Prozent), die mit der Umsetzung unzufrieden sind, größer als die der Unterstützer (40 Prozent). Was die Bürger am meisten ärgert, sind die hohen Strompreise. 42 Prozent der Verbraucher glauben daher, dass ihnen die Energiewende aktuell eher Nachteile bringt, nur 34 Prozent sehen Vorteile.

Verbraucherschützer fordern die Politik auf, diese Bedenken ernst zu nehmen. „Die Verbraucher wollen die Energiewende“, sagte VZBV-Chef Gerd Billen am Montag in Berlin, „aber die Kosten müssen gerechter verteilt werden“. Für den Ausbau der erneuerbaren Energien – eine Folge der Atomkatastrophe von Fukushima – dürften nicht nur die Verbraucher zur Kasse gebeten werden.

Fakt ist: Obwohl Strom im Handel immer billiger wird, zahlen die Bürger immer mehr. An der Börse in Leipzig können Großabnehmer Strom derzeit für 3,3 Cent pro Kilowattstunde kaufen. Verbraucher zahlen dagegen derzeit im Schnitt 28 Cent für die Kilowattstunde, hat das Internetportal Verivox errechnet.

Diese enorme Diskrepanz hat unterschiedliche Gründe: Die Versorger kaufen ihren Strom nicht tagesaktuell ein, sondern schließen langfristige Beschaffungsverträge mit einem Vorlauf von sechs Monaten bis zu drei Jahren. Das sorgt für Preisstabilität, heißt es beim Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW). Im Gegenzug heißt das aber auch: Die aktuellen, günstigen Preise kommen bei den normalen Haushaltskunden nicht an.

Der größte Preistreiber ist nach Einschätzung des Branchenverbands aber ohnehin der Staat. „Über 50 Prozent des Strompreises entfallen auf Steuern und Abgaben“, kritisiert ein Verbandssprecher. Dazu gehören auch die Subventionen, mit denen der Ausbau von Solarstrom und Windkraft vorangetrieben wird. Produzenten, die Ökostrom ins Stromnetz einspeisen, bekommen 20 Jahre lang feste Vergütungen, die derzeit deutlich höher sind als der aktuelle Börsenpreis. Finanziert wird diese Differenz durch die sogenannte EEG-Umlage. Sie beträgt derzeit 5,27 Cent pro Kilowattstunde, dürfte aber zum Jahreswechsel auf knapp sieben Cent steigen.

Die Umlage trifft fast ausschließlich Verbraucher und kleine Unternehmen. Energieintensive Firmen sind mit Blick auf den internationalen Wettbewerb befreit. „Die Zahl der begünstigten Unternehmen ist allein in diesem Jahr von unter 1000 auf über 2200 gestiegen“, sagte die Fraktionsvize der Grünen, Bärbel Höhn, dem Tagesspiegel. Höhn fordert die Abschaffung dieser „schwarz-gelben Industriegeschenke“. 57 Prozent der Bürger sehen das genauso.

Trotz der Befreiung von der Umlage ist aber auch die Wirtschaft mit dem Management der Energiewende unzufrieden. Rund die Hälfte der deutschen Unternehmen gibt der Bundesregierung und den Ländern die Note „mangelhaft“ oder „ungenügend“, heißt es in einer ebenfalls am Montag veröffentlichen Umfrage im Auftrag des Bundesverbands der Deutschen Industrie (BDI). Die Wirtschaft warnt vor zu hohen Kosten und fordert eine umfassende Reform des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG).

Eine solche Reform des Gesetzes versprechen alle Parteien. Bundesumweltminister Peter Altmaier (CDU) will im Fall eines Wahlsiegs versuchen, im zweiten Anlauf eine Strompreisbremse durchzusetzen. FDP-Fraktionschef Rainer Brüderle plädiert für eine Aussetzung der Förderung von Wind- und Solaranlagen. Aus Brüssel mahnt EU-Energiekommissar Günther Oettinger die deutsche Politik, den weiteren Anstieg der Strompreise zu verhindern. „Strom ist in Deutschland heute schon besorgniserregend teuer“, sagte er der „Bild“-Zeitung.

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