Energiewende : Stromwirtschaft hat Angst vor der "Eiszeit"

Unrentable Kraftwerke und unsichere Investitionsbedingungen - die Energiewirtschaft warnt vor einer Stromlücke. Dabei gibt es zumindest kurzfristig keinen Grund zur Panik.

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Das Größte: Mit 1640 Megawatt ist das Steinkohlekraftwerk von Vattenfall in Hamburg-Moorburg die leistungsstärkste Anlage. Foto: Imago
Das Größte: Mit 1640 Megawatt ist das Steinkohlekraftwerk von Vattenfall in Hamburg-Moorburg die leistungsstärkste Anlage.Foto: Imago

In einem alarmistischen Ton kommentiert die Energiewirtschaft die Energiewende. „Beim Kraftwerksbau droht eine neue Eiszeit“, meinte Hildegard Müller, Chefin des Branchenverbandes BDEW, am Montag anlässlich der Vorstellung der Kraftwerksplanung bis 2020. Von den 76 derzeit geplanten Anlagen sei bei fast einem Drittel der Zeitpunkt der Inbetriebnahme offen. „Die Investitionsbedingungen sind zurzeit zu unsicher“, sagte Müller. Niemand wisse, wie künftig das Nebeneinander von erneuerbaren und fossilen Energien organisiert sei. Ferner seien vor allem Gaskraftwerke kaum noch wirtschaftlich zu betreiben und schließlich gebe es immer größere Akzeptanzprobleme beim Bau von Kraftwerken. Wenn sich die politischen Rahmenbedingungen nicht ändern, würden wir in einigen Jahren nicht genug Kraftwerke haben, warnte Müller.

Zumindest kurzfristig gibt es aber keinen Grund zur Panik. Nach Berechnungen des BDEW gehen bis 2022 inklusive der Atomanlagen rund 16 000 Megawatt Kraftwerksleistungen vom Netz. Doch allein bis 2015 werden in der gleichen Größenordnung neue Anlagen in Betrieb genommen. Bemerkenswert dabei: Von den 76 derzeit geplanten Kraftwerken sind 50 Offshore-Windanlagen oder Erdgaskraftwerke. Das ist gut für das Klima, denn bei der Verstromung von Gas wird deutlich weniger CO2 freigesetzt als beim Verbrennen von Kohle.

In den Jahren ab 2016 gibt es nach jetzigem Stand aber kaum noch Kraftwerksprojekte, sodass es eng werden könnte. Denn Müller zufolge drohen weitere Kraftwerksstilllegungen, wenn Gas- oder Kohlekraftwerke wegen des Einspeisevorrangs der Erneuerbaren nicht wirtschaftlich zu betreiben seien. Spätestens bis 2015 müsse die neue Bundesregierung deshalb entscheiden, wie künftig die Stromversorgung aussehen solle.

Das interessiert vor allem auch die Verbraucher, die immer mehr für Strom zahlen müssen. Im vergangenen Jahr sank der Stromverbrauch hierzulande um 1,6 Prozent, was der BDEW vor allem mit der schwachen Konjunktur erklärt; 46 Prozent des Stroms verbrauchen Industriebetriebe. Der Gasverbrauch stieg dagegen 2012 um 1,5 Prozent. Im ersten Quartal dieses Jahres wurde sogar fünf Prozent mehr Gas verbrannt als im Vorjahr – eine Folge des langen Winters.

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