Energiewende : Wie man Strom besser transportiert

Durch kleine bauliche Veränderungen könnte die Kapazität des bestehenden Stromnetzes erhöht werden. Dafür hat das Wirtschaftsministerium Übertragungs- und Verteilnetzbetreiber miteinander ins Gespräch gebracht.

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Engpässe im Stromnetz können auch durch kleinere organisatorische Veränderungen vermindert werden.
Engpässe im Stromnetz können auch durch kleinere organisatorische Veränderungen vermindert werden.Foto: Christian Charisius/dpa

Rund 200 Millionen Euro im Jahr könnten den Stromkunden an Netzkosten erspart werden, wenn fünf technische Modernisierungen im bestehenden Stromnetz vorgenommen werden. Zu diesem Ergebnis kommt eine Expertenrunde von Stromnetzbetreibern unter der Leitung des Wirtschaftsministeriums (BMWi), der Deutschen Energie-Agentur (Dena) und dem Beratungsunternehmen BET. Am Freitag stellte der Abteilungsleiter Energie im BMWi, Urban Rid, gemeinsam mit Dena-Chef Andreas Kuhlmann die Ergebnisse vor.

Fünf Streckenabschnitte in Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen und Baden- Württemberg sollen in den kommenden fünf Jahren technisch leicht verändert werden, um die Durchleitungskapazität für Strom zu erhöhen. Vor allem sogenannte Redispatch-Kosten könnten gespart werden. Die entstehen, wenn beispielsweise viel Wind weht und der Windstrom nach Süddeutschland oder in das benachbarte Ausland geliefert werden soll. Weil die Leitungskapazität nicht ausreicht, den Strom physisch auch zu liefern, werden Reservekraftwerke angeworfen, um die Lieferung auch tatsächlich abschließen zu können. Diese Kosten lagen 2016 bei 218,8 Millionen Euro, nachdem sie 2015 nach Recherchen des Branchenverbands BDEW schon einmal auf 402,5 Millionen Euro gestiegen waren.

Rid und Kuhlmann lobten den Dialog der Übertragungsnetzbetreiber, die Höchstspannungsleitungen betreiben, und Verteilnetzbetreibern, die den Strom zu den Kunden transportieren. Rid sagte: „Der Dialog hat sich weiterentwickelt.“ Die konkrete Zusammenarbeit der Ingenieure entlang der Frage, wie im Netz Kosten gespart werden können, sei sehr erfolgreich gewesen, sagte Kuhlmann.

Im Sommer hatte der Verband Kommunaler Unternehmen (VKU) mehrfach darüber geklagt, dass die Übertragungsnetzbetreiber den Verteilnetzbetreibern quasi ihre Daten abnehmen, ohne sie ihnen wieder zurückzugeben. Leichte Spannungen zwischen den rund 800 Verteilnetzbetreibern und den vier Übertragungsnetzbetreibern gibt es schon allein deshalb, weil die Energiewende die alten Geschäftsmodelle der Unternehmen stark in Frage stellt. Der VKU hat das auf die Formel gebracht: "Die Energiewende findet im Verteilnetz statt." Wer womit künftig Geld verdienen kann, ist für sie alle ein wichtiges Überlebensthema. Doch bei der Arbeit an einem konkreten Problem hätten die Ingenieure gemeinsam schnell pragmatische und kreative Lösungen gefunden, sagte Kuhlmann.

Neben der baulichen Verstärkung von Leitungen, auch durch den Einbau von Hochtemperaturseilen, wollen die Netzbetreiber mehr und mehr eine automatisierte Betriebsführung möglich machen. Die "Digitalisierung wird schrittweise stattfinden", sagte Uran Rid. Schon allein, um die Versorgungssicherheit nicht zu gefährden. Aber wenn solche Schritte unternommen würden, sollten sie auch später ins System passen. Genau deshalb soll der Dialog nun auch weiter gehen, kündigte Rid an.

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