Wirtschaft : Energiewirtschaft: Strom wird nicht mehr billiger

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Strom wird nach den Preissenkungen im vergangenen Jahr nicht noch billiger. Die Talsohle sei gut zwei Jahre nach der Öffnung des deutschen Strommarktes erreicht, erklärte die Vereinigung Deutscher Elektrizitätswerke (VDEW) am Montag. Tragende Säule der Stromversorgung werden auf absehbare Zeit weiter Kohle, Öl und Gas bleiben. Zu diesem Schluss kommen 30 Experten einer "Energiedialog 2000" genannten Arbeitsgruppe, die am Montag nach einjähriger Arbeit ihren Abschlussbericht vorlegte.

Der gegenwärtige Energiemix müsse deutlich verändert werden, sagte der Initiator des "Energiedialogs 2000", Bundeswirtschaftsminister Werner Müller (parteilos). Dabei könnten fossile Energieträger aber nur schrittweise und über einen längeren Zeitraum "perspektivisch" durch regenerative Energien wie Sonne, Wind oder Biomasse ersetzt werden. Die unter dem Vorsitz von Deutsche-Bank-Chef Rolf-E. Breuer tagende Runde, die sich aus Vertretern aus Politik, Wirtschaft und verschiedenen gesellschaftlichen Gruppen zusammensetzt, sollte in einem möglichst breiten gesellschaftlichen Konsens Leitlinien zur künftigen Energieversorgung Deutschlands erarbeiten. Dabei hatte Müller aber den von der rot-grünen Bundesregierung geplanten und heftig umstrittenen Atomausstieg ausgeklammert. Er wies darauf hin, dass die Reaktoren nur zehn Prozent des inländischen Energiebedarfs deckten. Deshalb sei es gelungen, über die restlichen 90 Prozent weitgehende Übereinstimmung zu finden. Breuer zeigte sich mit den Ergebnissen zufrieden. Umweltschutz und Versorgungssicherheit seien nun gleichrangige Ziele. Gleichwohl könnten die erarbeiteten Leitlinien nur ein vorläufiges Ergebnis sein. Darin wird Stein- und Braunkohle einschließlich des heimischen Bergbaus eine zentrale Rolle für die Stromversorgung in Deutschland zugemessen. Wichtigster Energieträger bleibt demnach das Mineralöl. In dem Papier schließen sich die Teilnehmer des Dialogs aber auch dem Ziel der rot-grünen Koalition an, den Anteil erneuerbarer Energieträger an der Gesamtversorgung bis 2010 zu verdoppeln. Auch die Energieeffizienz müsse aus Gründen des Klimaschutzes verbessert werden.

Der durch die Liberalisierung kräftig durcheinander geratene deutsche Strommarkt wird nach Auffassung der VDEW in diesem Jahr wieder in vernünftige Bahnen zurückkehren. "Nicht zuletzt der Start zweier Strombörsen wird die Transparenz erhöhen und zu einer Versachlichung führen", zeigte sich Günter Marquis, neuer Präsident der VDEW, am Montag zuversichtlich. Zwar werde der Stromhandel dem Wettbewerb neuen Schub verleihen. Gleichzeitig werde die Transparenz aber dafür sorgen, dass den zum Teil unrealistischen Strompreisen eine natürliche Untergrenze gegenübergestellt werde. "Die Anbindung des Strompreises an die Börsennotierung erleichtert den Versorgern die Arbeit wesentlich."

Nach den zum Teil heftigen Preiskämpfen im vergangenen Jahr hätten die Strompreise das Tal erreicht. Größere Bewegungen seien nicht zu erwarten. Hinweise auf wieder steigende Strompreise gibt es laut Marquis nicht. "Dazu haben wir in Deutschland zu große Überkapazitäten, die zum Teil lediglich zum Deckungsbeitrag auf den Markt gegeben werden." Bis diese Überkapazitäten abgebaut seien, würden noch einige Jahre vergehen. Deutliche Worte richtete Marquis an die Adresse der Politik. Politische Markteingriffe wie etwa die Ökosteuer, die Subventionen für erneuerbare Energien oder das sehr komplizierte Gesetz zum Schutz von Kraft-Wärme-Anlagen behinderten den freien Wettbewerb.

Die rund 900 im Verband organisierten Stromversorger steigerten ihren Stromabsatz 1999 gegenüber dem Vorjahr um 0,7 Prozent. Angesichts des Preiswettbewerbs sanken die Umsätze aber von 80 auf 70 Milliarden Mark. Die Ertragslage der Mitgliedsunternehmen bezeichnete Marquis als unbefriedigend. Im Durchschnitt seien die Erträge um rund 20 Prozent zurückgegangen.

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