Wirtschaft : Engagiert gegen Vorurteile im Kopf

Verdammt viel Überzeugungsarbeit mußte Monika Rühl in ihrem Job leisten - und muß es noch.Der Fortschritt ist bekanntlich eine Schnecke und Veränderungen erfordern Geduld.Das aber paßt eigentlich überhaupt nicht zu ihr.Die Frau ist ganz so, wie sie in Erscheinung tritt: dynamisch, engagiert und ambitioniert.Als Beauftragte für Chancengleichheit der Deutschen Lufthansa freilich wird sie auf die Geduldsprobe gestellt.Das Gros - zwischen 80 und 85 Prozent - der Flugbegleiter sind zwar Frauen.Doch in der Technik liegt der Frauenanteil bei mageren fünf Prozent, im Cockpit erreicht die Quote nicht einmal zwei Prozent.Immerhin: Neun Prozent der Stellen in den oberen Leitungsebenen sind von Frauen besetzt - verglichen mit anderen deutschen Großkonzernen, die im Schnitt fünf Prozent weibliche leitende Angestellte zählen, ein Erfolg.Allerdings: Lediglich zwei Prozent aller Lufthansa-Männer nehmen Erziehungsurlaub; viele davon sind nach nur einem Monat wieder an Bord.

Chancengleicheit im Konzern - das ist ein Thema von zeitloser Schönheit.Seit Anfang 1995 ist die langjährige Flugbegleiterin auf ihrem Posten für die Gleichberechtigung.Eine Aufgabe, die sie voll und ganz ausfüllt, sagt sie - obwohl sie schon jetzt darüber nachdenkt, wie sie sich ihren Nachfolger oder ihre Nachfolgerin vorstellt.Denn der Job, davon ist Monika Rühl übrigens voll und ganz überzeugt, erfordert eine gewisse Rotation.

Die 43jährige ist in Berlin geboren, wohnt heute noch hier und pendelt zwischen Frankfurt und Berlin.Nach dem Abitur studierte sie Mathematik, Anglistik, Philosophie und Medienwissenschaft, arbeitete fünf Jahre als Produktionsassistentin und - machte 1976 als erster weiblicher Weihnachtsmann Berlins Schlagzeilen.Vom Fernweh gepackt, entschied sie sich für den Beruf der Flugbegleiterin.Jahrelang sammelte sie Erfahrung - bei verschiedenen Arbeitgebern: Air Berlin, PanAm und schließlich, seit 1991, auch bei der Deutschen Lufthansa.Unter zwölf Bewerbern für den neu eingerichteten Posten der Beauftragten für Chancengleichheit, der dem Lufthansa-Personalvorstand untergeordnet ist, fiel die Wahl auf sie.

Als Beschwerdeinstanz für Frauenfragen versteht sie sich allerdings nicht, obwohl sie für die Kolleginnen, die sie regelmäßig auf Probleme im Unternehmen ansprechen, immer ein hilfreiches Wort hat.Monika Rühl kämpft vielmehr stets und ständig um den Abbau von Vorurteilen, engagiert sich für Teilzeitmodelle, betreut sowohl die regelmäßig stattfindenden Managerinnentage, als auch die nächste Top-Messe in Düsseldorf "Frauen in der Wirtschaft", die unter anderem von Lufthansa gesponsert wird.Stein um Stein wird da zusammengetragen.Rühls vorläufiges Fazit: die obersten Entscheider haben inzwischen erkannt, daß frauenspezifische Qualitäten dem Betrieb zugutekommen.

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