Enron : Ex-Konzernchef Lay stirbt an Herzinfarkt

Der frühere Chef des US-Pleitekonzerns Enron, Kenneth Lay, ist tot. Lay war erst Ende Mai im Prozess um den Mega-Konkurs des Energiekonzerns schuldig gesprochen worden. Ihm drohten maximal 165 Jahre Haft.

Washington - Wie mehrere US-Fernsehsender am Mittwoch berichteten, erlag der 64-Jährige in seinem Haus in Aspen im US-Bundesstaat Colorado einem Herzinfarkt. Lay war Ende Mai von einer Geschworenen-Jury im texanischen Houston schuldig gesprochen worden, in die betrügerischen Finanzmanipulationen im Vorfeld des Enron-Konkurses vom Dezember 2001 verwickelt gewesen zu sein. Das Strafmaß gegen ihn sollte am 23. Oktober verkündet werden.

Ein Sprecherin der Familie, Kelly Kimberly, teilte im Sender CNN mit, dass Lay am Mittwoch in der Frühe verstorben sei. Angaben zur Todesursache machte sie nicht. Zunächst müssten alle Mitglieder der weit verzweigten Familie informiert werden: «Aus Respekt vor der Familie werden wir zu diesen Zeitpunkt keine weiteren Details bekanntgegeben», sagte Kimberly. Lay hatte während seines Prozesses keinerlei Anflug von Reue gezeigt. Die Geschworenen kamen zu dem Schluss, dass er zusammen mit dem anderen früheren Konzernchef, Jeffrey Skilling, an den Tricksereien beteiligt gewesen war, mit denen der Energieriese seine marode Finanzlage bis kurz vor der Pleite hatte kaschieren können.

Lay wurde in sechs Anklagepunkten wegen Betrugs und Verschwörung verurteilt, wofür ihm eine Höchststrafe von 165 Jahren drohte. Der 52-jährige Skilling wurde in 19 Anklagepunkten schuldig gesprochen, die mit 185 Jahren Haft geahndet werden können. Die Staatsanwaltschaft warf Lay und Skilling in dem Prozess vor, aus Geldgier und Geltungssucht gehandelt zu haben. Ihnen sei es nicht nur darum gegangen, sich durch den Verkauf ihrer eigenen Enron-Aktien zu bereichern. Sie hätten auch um ihr Selbstwertgefühl gekämpft: «Enron war ihr Ego», sagte eine Staatsanwältin.

Lay entstammte einer armen Familie aus dem Mittelweststaat Missouri und arbeitete sich mit zähem Ehrgeiz in der Ölindustrie nach oben. Enron gründete er Mitte der achtziger Jahre aus dem Zusammenschluss zweier Firmen, die auf den Bau von Pipelines spezialisiert waren. In den folgenden Jahren baute er Enron zu einem der weltweit führenden Unternehmen für Strom, Erdgas, Papier und Kommunikation aus. Vom Magazin «Fortune» wurde Enron sechs Jahre in Folge zur «innovativsten» Firma der Vereinigten Staaten gekürt. Lay unterhielt in dieser Zeit gute Kontakte in die Politik. Mit dem früheren Präsidenten Bill Clinton spielte er Golf, den Nachfolger George W. Bush unterstützte er großzügig mit Spenden. Dafür wurde er von Bush mit dem Spitznamen «Kenny Boy» bedacht.

2001 kam dann aber schließlich ans Licht, dass Enron Schulden in Höhe von schätzungsweise 40 Milliarden Dollar verschleiert hatte. Durch den Bankrott verloren dann tausende Beschäftigte ihren Job und viele zudem ihre in Firmenaktien angelegte Altersversorgung. Hinzu kamen Schäden für Börsenanleger in Milliardenhöhe. Es handelt sich nach dem späteren Kollaps des Telefongiganten WorldCom um den bis heute zweitgrößten Konkurs der US-Geschichte.

Die Folgen von Enron und der nachfolgenden Unternehmensskandale aber wirken bis heute nachhaltig auf die gesamte Geschäftswelt. Als Konsequenz verschärfte der US-Kongress im Juli 2002 mit dem so genannten Sarbanes-Oxley-Gesetz nicht nur drastisch die Regeln für die Buchhaltung und die Strafen für Betrügereien. Auch haften seither die Konzernchefs und Finanzvorstände persönlich für die Korrektheit der Jahresabschlüsse. (tso/AFP)

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