Enron-Prozess : Ehemalige Chefs schuldig gesprochen

Das Urteil in einem der spektakulärsten Prozesse der US-Wirtschaftsgeschichte ist gefallen: Die beiden Ex-Chefs des Energieunternehmens Enron, Jeffrey Skilling und Kenneth Lay, sind wegen Betrugs schuldig gesprochen worden.

Houston/Washington - Das Urteil, zu dem die zwölf Geschworenen nach sechs Beratungstagen kamen, verlas Richter Simeon Lake am Donnerstag in Houston (Bundesstaat Texas). Den Ex-Chefs des einst weltgrößten Energiehändlers, die stets ihre Unschuld beteuert hatten, drohen lebenslange Haftstrafen.

Skillings Anwalt Daniel Petrocelli äußerte sich schwer enttäuscht. "Der Kampf hat gerade erst begonnen", sagte er auf den Stufen des Gerichts. "Natürlich bin ich enttäuscht", sagte Skilling. Er hielt nach wie vor an seiner Unschuld fest.

Anklage: Betrug im großen Stil

Die Anklage hatte Lay (64) und Skilling (52) Betrug in großem Stil vorgeworfen. Nach Überzeugung der Staatsanwaltschaft hatte Skilling die betrügerischen Machenschaften von Finanzchef Andrew Fastow mitgetragen. Zusammen mit Lay habe er die Aktionäre mit rosigen Prognosen hinters Licht geführt, obwohl beide die prekäre Finanzlage des Unternehmens kannten.

Der Betrugsskandal bei Enron war der Auftakt einer Serie von Bilanzbetrugsfällen, die in den vergangenen Jahren ans Licht kamen. Zahlreiche Firmenbosse wurden bereits zu langjährigen Haftstrafen verurteilt. 16 Enron-Mitarbeiter hatten sich selbst schuldig bekannt.

Einst unter den Top 10 der USA

Enron war einst eines den zehn größten US-Unternehmen mit einem Börsenwert von mehr als 60 Milliarden Dollar. Es handelte zeitweise mit mehr als 800 Produkten, darunter Energie, Breitbandkapazitäten und Finanzderivaten. Es wurde von dem Wirtschaftsmagazin "Forbes" noch 2001 und in den fünf Jahren davor wegen seiner aggressiven Risikostrategie zum "innovativsten Unternehmen" gekürt.

Im Laufe des Jahres 2001 wendete sich das Blatt jedoch. Wie sich herausstellte, lieferten mehrere Einheiten nicht die gewünschten Ergebnisse. Die Schulden wurden in dubiosen Partnerschaften versteckt, an denen sich Finanzchef Andrew Fastow persönlich mit Millionen bereichert hatte. Der Aktienkurs stürzte von einst über 90 Dollar auf weniger als 30 Cent. Ein Übernahmeversuch scheiterte. Anfang Dezember 2001 musste das Unternehmen Gläubigerschutz beantragen. Investoren verloren Milliardenbeträge, tausende Angestellte ihre gesamte Altersvorsorge. (tso/dpa)

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