Wirtschaft : Enron stellt Gaslieferung in Deutschland ein

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Der drohende Zusammenbruch des weltgrößten US-Energiehandelskonzerns Enron hat auch Folgen für den deutschen Gasmarkt. Enron ist nicht in der Lage, die erforderlichen Transportmengen in voller Höhe bereitzustellen. Ein Sprecher der Ruhrgas AG bestätigte am Samstag Engpässe bei Lieferungen nach Erfurt, Memmingen, Menden und Peine und Helmstedt. Die Leipziger Verbundnetz Gas AG VNG kündigte derweil an, für Lieferungen nach Erfurt und Helmstedt einzustehen.

Die im niedersächsischen Peine betroffenen Stadtwerke kündigten umgehend den Vertrag mit Enron. Geschäftsführer Heinz-Georg Noske sagte am Samstag, dass die Essener Ruhrgas am Freitagnachmittag mitgeteilt hatte, kein Enron-Gas mehr durchzuleiten. Enron habe zuvor seine Transportkapazitäten gekündigt. Dies sei für ihn die rechtliche Grundlage gewesen, den Vertrag zu kündigen und umgehend einen anderen Anbieter zu nehmen. Enron hatte 30 Prozent des Gasbedarfs der Stadtwerke geliefert, insgesamt 175 Mio Kilowattstunden pro Jahr.

Derzeit verhandelt der US-Energiehändler mit seinen Banken und Geldgebern über neue Finanzierungsmittel. Eine Kreditlinie würde es dem Unternehmen ermöglichen, in irgendeiner Form weiter zu operieren, während es sich in einem Konkursverfahren neu organisieren würde. Dies berichtete die "New York Times" in ihrer Online-Ausgabe. Ein Konkursantrag werde täglich erwartet. Als wahrscheinlichste Geldgeber kämen die J.P. Morgan Chase und Citi-group in Frage, die dem Unternehmen bereits eine Milliarde Dollar geliehen hätten. Dabei dienten Enron-Pipelines als Sicherheit.

Unterdessen hatte die Wirtschaftsprüfungsfirma Price-Waterhouse-Coopers angekündigt, dass die Londoner Europa-Zentrale von Enron 1100 Mitarbeiter entlassen werde. Auch die amerikanischen Enron-Beschäftigten warteten verängstigt auf Kündigungen. Enron hat weltweit insgesamt 21 000 Beschäftigte. Es laufen etliche Aktionärs- und Mitarbeiterklagen gegen Enron. Mehrere US-Kongressausschüsse haben Anhörungen angesetzt.

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