Wirtschaft : Entertainment AG will aggressiv wachsen

BERLIN (mot).Die Deutsche Entertainment AG (DEAG) setzt zum Sprung ins europäische Konzertgeschäft an."Wir werden viel früher als erwartet einen sehr großen Expansionsschritt ins europäische Ausland unternehmen", sagte Vorstandschef Peter Schwenkow bei der Vorlage der Bilanz für das Geschäftsjahr 1998 am Dienstag in Berlin.Zu Einzelheiten wollte sich Schwenkow mit Rücksicht auf laufende Verhandlungen nicht äußern.Die Gespräche und "fast wöchentlich eingehende Angebote" deuteten aber auf einen "fundamentalen Umbruch im gesamten europäischen Konzertgeschäft" hin, an dem die Deutsche Entertainment AG möglicherweise maßgeblichen Einfluß haben werde."Die Kriegskasse ist noch mit einem zweistelligen Millionenbetrag gut gefüllt", sagte Schwenkow.Das Umsatzziel von 160 Mill.DM für 1999 werde gegebenenfalls nach oben korrigiert.Ob das Unternehmen eine Dividende zahlen werde, ließ Schwenkow offen.Bis zur Hauptversammlung am 26.Mai werde entschieden, ob man massiv wachsen oder ausschütten wolle.

Den bisher rasant verlaufenen Wachstumskurs will der Show-Dienstleister auch 1999 fortsetzen.Nach einer Verdoppelung des Umsatzes im vergangenen Jahr sei ein weiteres Wachstum von 40 bis 50 Prozent verkraftbar.Neues Kapital werde bis auf weiteres nicht gebraucht.Mittlerweile zählen insgesamt 17 Tochtergesellschaften zum Konzern, die die gesamte Wertschöpfungskette des Veranstaltungs-Geschäftes vom Ticketverkauf und Spielstättenmanagement über das Merchandising bis zum Sicherheitsdienst abdecken.

1998 verbuchte die DEAG, die seit dem 14.September 1998 am Neuen Markt der Frankfurter Börse notiert ist, ein Umsatzplus von 61,7 auf 141 Mill.DM.Dies entspricht einer Steigerung von 129 Prozent.Das operative Ergebnis konnte - ohne Berücksichtigung der Börseneinführungskosten - von 0,1 auf 5,1 Mill.DM gesteigert werden.Die Bilanzsumme expandierte um 30 Prozent auf 103,8 Mill.DM.In den Zahlen enthalten sind allerdings die erst im August 1998 in den Konzern eingebrachten Töchter Coco Tours und Concert Concept.Im Jahresdurchschnitt wurden 261 Mitarbeiter beschäftigt.

Als Motor des DEAG-Wachstums erwies sich auch 1998 das Tournee-Geschäft.Umsatz und Ticket-Absatz konnten etwa vervierfacht werden, die Sparte trug 53 Prozent zum Gesamtumsatz bei.Insgesamt elf Mal ging die DEAG mit namhaften Künstlern auf Tour.Für das größte Aufsehen sorgten die Konzerte der Rolling Stones, deren "Bridges to Babylon"-Tour 750 000 Besucher anlockte.Mit "Kampfpreisen" habe das Unternehmen 1998 aggressiv Marktanteile errungen und "unter Beweis gestellt, daß wir die Künstler zum Erfolg führen können", sagte Schwenkow.Die Ergebnisse hätten sich in der Einführungsphase allerdings unterproportional entwickelt.1999 habe die DEAG mit Marius Müller-Westernhagen einen "Top-Act" im Programm, der von der Besucherzahl mit der Rolling-Stones-Tournee vergleichbar sei.

13 Prozent des DEAG-Umsatzes wurde 1998 im Geschäftsfeld Varietés erwirtschaftet.Hier schaffte die DEAG den Angaben zufolge in den Häusern in Düsseldorf (Roncallis Apollo) und Berlin (Wintergarten) den Turnaround und erzielte ein positives Ergebnis von 0,3 Mill.DM.Auf einen Umsatzanteil von 34 Prozent summierten sich die Geschäftsfelder Regionale Veranstaltungen, Spielstätten-Management und Service-Provider.Hier stiegen die Umsatzerlöse von 28,6 Mill.DM um rund 65 Prozent auf 47,1 Mill.DM.Das operative Ergebnis kletterte nach DEAG-Angaben von 0,6 Mill.auf 1,9 Mill.DM.Als Betreiber großer Hallen sieht die Deutsche Entertainment AG in Berlin ihre Marktführerschaft gefestigt.Die Max-Schmeling-Halle und das Velodrom wurden 1998 von rund 500 000 Gästen besucht.Als lukrativ erwies sich 1998 zudem der "bisher größte konzertbezogene Sponsoring-Deal in Deutschland" zwischen der konzerneigenen Sponsoring-Agentur Give & Take, den Rolling Stones, dem TV-Sender Sat1 und der Radeberger Brauerei.

"Die Nähe der Märkte führt zu Konzentrationsprozessen im Konzertgeschäft", umschrieb Schwenkow die strategische Position der DEAG."Massive Investitionen in die direkte Kundenansprache" würden künftig einen "Paradigmenwechsel" im Vetrieb des Show-Konzerns einläuten.

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