Wirtschaft : Entlassungen bei Lufthansa für 2002 vom Tisch

ro/mo

Bei Lufthansa wird es zumindest bis Ende 2002 keine Entlassungen geben, auch nicht von Mitarbeitern in der Probezeit und von Piloten, die ihre Ausbildung bis Ende September 2002 abschließen. Dies schreibt eine Krisen-Vereinbarung vor, die das Unternehmen am Donnerstag Nachmittag mit der Dienstleistungsgewerkschaft Verdi und der Pilotenvereinigung Cockpit nach mehrwöchigen Verhandlungen geschlossen hat. Das Maßnahmenpaket umfasst unter anderem die Verlängerung der Laufzeit von Tarifverträgen, die Aussetzung von Sonderzahlungen sowie Kurzarbeit. Die Lufthansa will so mindestens 210 Millionen Euro einsparen. Durch Fluktuation und Angebote für Teilzeitarbeit wird Lufthansa bis Jahresende gleichwohl 1700 Arbeitsplätze abbauen.

Damit hat die Lufthansa ihr angestrebtes Ziel nicht ganz erreicht. Dem Vernehmen nach soll Vorstands-Chef Jürgen Weber Einsparungen im Volumen von rund 350 Millionen Euro gefordert haben. Verdi hatte Maßnahmen mit einem Volumen von rund gut 80 Millionen Euro angeboten. Cockpit hatte bislang keine konkreten Zahlen genannt. Für Lufthansa- Personalvorstand Stefan Lauer sind die Maßnahmen ein unverzichtbarer Beitrag der Mitarbeiter, um die Folgen der gegenwärtigen Krise in der Luftfahrt auf die Lufthansa einzudämmen. Verdi-Verhandlungsführer Jan Kahmann bezeichnete die Vereinbarung als "Pakt der Vernunft". Zuvor hatte bereits der Vorstand und rund 1000 Top-Manager auf rund zehn Prozent ihres Grundgehaltes verzichtet. Dem Konzern fehlen täglich 30 000 Passagiere und 20 Millionen Mark.

Im einzelnen sieht die Vereinbarung vor, dass die Vergütungstarifverträge für die rund 51 000 Mitarbeiter am Boden und in der Kabine um sieben Monate bis Ende Oktober 2002 verlängert werden. Damit entfällt die eigentlich für 1. April geplante Gehaltserhöhung. Gleichzeitig wird die für Mai 2002 vorgesehene Auszahlung des halben 13. Monatsgehaltes ausgesetzt. Im ersten Quartal 2003 wird über die Umwandlung dieses Anspruches in ein Zeit- oder Wertgutachten entschieden. Schreibt die Lufthansa im nächsten Jahr rote Zahlen, wird dies erst Anfang 2004 erörtert.

Auch die Erhöhung der Grundvergütung für die rund 4000 Piloten der Airline wird um sieben Monate auf den 1. September verschoben. Eigentlich sollten die Gehälter gemäß dem durchschnittlichen Anstieg der Tarifgehälter in Deutschland erhöht werden. Auch die im Sommer durch die Vermittlung von Ex-Außenminister Hans-Dietrich Genscher vereinbarte so genannte strukturelle Verbesserung der Piloten-Vergütung um 2,8 Prozent im Mai 2002 wird auf Oktober 2002 verschoben. Bereits seit 1. November gilt für die 12 000 Lufthansa-Flugbegleiter Kurzarbeit, vorerst bis Ende April 2002. Unter Einbeziehung des Kurzarbeitergeldes erhalten sie ein Gehalt auf der Basis von 70 Flugstunden im Monat. Über weitere Maßnahmen soll beraten werden, wenn sich die Lage in absehbarer Zeit nicht weiter verbessert.

0 Kommentare

Neuester Kommentar