Wirtschaft : Entlassungswelle: Massiver Stellenabbau in USA

kk/siri

Entlassungen stehen in den USA derzeit auf der Tagesordnung. Der erste Schock kam am vergangenen Montag, als die amerikanische ChryslerGruppe ankündigte, in den kommenden drei Jahren 26 000 Stellen streichen zu wollen. Auch der Telekommunikations-Ausrüster Lucent Technologies will 16 000 Stellen abbauen, der Konsumgüterkonzern Sara Lee entlässt 7000 Leute, die Warenhauskette J.C. Penney setzt 5300 Mitarbeiter frei. Amazon, Vorzeigeunternehmen der New Economy, entlässt 15 Prozent seiner Mitarbeiter. Auch andere bekannte Unternehmen wie Motorola, AOL-Time-Warner und Xerox bauen jeweils mehr als 2000 Stellen ab.

Die Gründe für die Entlassungen sind vielfältig: Bei Daimler-Chrysler führte vor allem die schwache Nachfrage zu Überkapazitäten und damit zum Stellenabbau. Beim Mediengiganten AOL-Time-Warner sind die Entlassungen zum großen Teil fusionsbedingt: Doppelt besetzte Positionen werden kurzerhand gestrichen. Das Internet-Warenhaus Amazon will trotz sinkender Wachstumsprognosen zum Jahresende die Gewinnschwelle erreichen - und da heißt es sparen, auch bei den Personalkosten. Bei Medienkonzernen und Internet-Portalen führen sinkende Werbeeinnahmen zu Entlassungen, bei reinen Dot-Coms ist es vielfach der drohende Konkurs.

Nach Berechnungen des Branchen-Magazins "The Industrie Standard" wurden im Technologie-Sektor seit Dezember 1999 knapp 50 000 Mitarbeiter entlassen. Viele der jetzt entlassenen Beschäftigten wurden in den vergangenen zwei Jahren eingestellt - auf dem Höhepunkt der Internet-Euphorie. Als sich die Erwartungen an die New Economy als zu hoch erwiesen folgte die Ernüchterung und mit ihr die Entlassungen.

Marktbeobachter werten den Stellenabbau als Zeichen einer abflauenden Konjunktur. Louis Crandall, Chef-Ökonom bei Wrightson Associates in New York, fürchtet sogar einen Domino-Effekt: Die Entlassungen könnten das Vertrauen der Konsumenten erschüttern, die dann möglicherweise ihre Ausgaben einschränken. Das Vertrauen der Verbraucher ist bereits angeschlagen: Im Januar sank der Consumer-Confidence-Index auf den tiefsten Stand seit vier Jahren. Negative Nachrichten vom Arbeitsmarkt könnten die ohnehin schon schlechte Stimmung noch weiter drücken.

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