Wirtschaft : Entscheidung ohne Entscheidung

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Von Bernd Hops

Die Hängepartie bei der Maut geht weiter. Nun sagen auch das Betreiberkonsortium Toll Collect und das Verkehrsministerium das, was alle schon seit Wochen, wenn nicht schon Monaten ahnten: Auch mit dem Start zum 2. November wird es nichts werden. Doch sie sagen nicht, wann es etwas werden kann mit diesem zukünftigen Exportschlager, als den ihn der TollCollect-Zulieferer Siemens noch vor wenigen Tagen bezeichnet hat. Es ist noch nicht einmal klar, ob das System überhaupt funktionieren kann.

Wer hat Schuld an dem Chaos? Minister Manfred Stolpe hat sie geschickt weitgehend auf Toll Collect abgewälzt. Höhepunkt war das Krisengespräch an diesem Sonntag. So in der Defensive war Toll Collect noch nie. Unschuldig wird Stolpe dadurch aber nicht. Sicher, es gibt massenweise Fehler, die auftreten. Dafür sind die Entwickler des Systems zuständig, die ihre Probleme viel zu lange schön geredet haben. Vor kurzem noch sagte das Konsortium, die Beseitigung der Mängel sei eher eine Frage von Wochen als von Monaten. Davon ist keine Rede mehr. Statt dessen wird über Haftungsansprüche gesprochen. Es regiert Zerknirschung bei den Konzernen. Nur nicht bei Stolpe.

Dabei müsste er sich in einer ruhigen Minute fragen, was in seinem Ministerium schief gelaufen ist. Schließlich ist sein Haus zwar nicht für die Systementwicklung, sehr wohl aber für die Kontrolle verantwortlich. Wieso waren seine Beamten so blauäugig? Oder wagte das Ministerium einfach nicht, die Wahrheit zu sagen, bis es zu spät war? Die Frage danach, wie man Dinge zukünftig besser machen kann, ist zurzeit in den Hintergrund gerückt – beantwortet ist sie noch lange nicht.

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