Wirtschaft : Entscheidung über Telecom Italia steht bevor Olivetti-Aktionäre gefragt

MAILAND (rtr).Am Freitag geht der Kampf um die Zukunft des Telefon-Riesen Telecom Italia in die möglicherweise entscheidende Runde.Bis um 17.00 Uhr müssen sich die Aktionäre des viertgrößten Telekommunikationskonzerns Europas festlegen, ob sie ein Kaufangebot von 11,50 Euro je Aktie des italienischen Konzerns Olivetti annehmen und damit eine geplante Fusion von Telecom Italia und Deutscher Telekom verhindern.Am Donnerstag gab es noch keine Informationen, ob Olivetti genügend Aktionäre überzeugen konnte.Telecom-Italia-Chef Franco Bernabe, der sich in den vergangenen Wochen gegen die Olivetti-Übernahme und für die Fusion mit der Deutschen Telekom eingesetzt hatte, zeigte sich optimistisch, daß Olivetti zumindest nicht die Mehrheit der Aktien erhalten wird.

Olivetti hatte erklärt, wenn 67 Prozent der Telecom-Italia-Aktionäre das Angebot akzeptierten, sei die Übernahme beschlossen, wenn die Quote unter 35 Prozent liege, sei sie gescheitert.Olivetti-Chef Roberto Colaninno hatte nicht ausgeschlossen, daß sein Konzern auch bei einer Akzeptanz knapp über 35 Prozent bei Telecom Italia einsteigen wird.Mit einem Anteil in dieser Höhe würde Olivetti sich entscheidende Stimmrechte auf Hauptversammlungen sichern.

Nach Angaben der Mailänder Börse hatten bis Mittwoch abend neun Prozent der Telecom-Italia-Aktionäre das Olivetti-Angebot angenommen.Experten rechnen jedoch damit, daß der Großteil der Aktionäre sich erst in den letzten Stunden vor Ablauf der Angebotsfrist entscheiden wird.Olivetti erklärte am Donnerstag, es lägen keine neuen "überprüfbaren" Informationen über die Akzeptanz des Angebotes vor.In einem Pressebericht hatte es zuvor geheißen, ein Olivetti-Berater habe erklärt, mehr als 35 Prozent der Telecom-Italia-Aktionäre tendierten dazu, sich für das Olivetti-Angebot zu entscheiden.Telecom-Italia-Chef Bernabe erklärte in einem Interview, es werde Olivetti nach seiner Einschätzung sehr schwer fallen, eine absolute Mehrheit des Aktienkapitals zu erhalten.So tendierten Verwalter von Aktienfonds dazu, mit der Hälfte ihrer Telecom-Italia-Aktien auf die Offerte einzugehen, um so das Risiko zu verteilen.

Die Deutsche Telekom hat sich bisher nur zurückhaltend zu der Olivetti-Offerte geäußert.Telekom-Chef Ron Sommer sagte, die Telekom wolle nicht gegen das Olivetti-Angebot kämpfen, sondern die Aktionäre des italienischen Fusionspartners mit einem schlüssigen Konzept für den Zusammenschluß davon überzeugen, ihre Aktien zu halten.Bei einer Fusion sollen Telecom-Italia-Eigner drei und Deutsche-Telekom-Aktionäre eine Aktie des neuen Unternehmens erhalten.Beim gegenwärtigen Telekom-Aktienkurs würde dies bedeuten, daß die Aktionäre des italienischen Konzerns ein Papier im Gegenwert von 37,10 Euro für drei Aktien erhielten, verglichen mit 34,50 Euro, teils in bar und teils in Wertpapieren, von Olivetti.Das Ergebnis der Entscheidung wird auch den Mannesmann-Konzern betreffen.Er soll bei einem Erfolg von Olivetti dessen Anteile an der italienischen Festnetzgesellschaft Infostrada und dem Mobilfunkbetreiber Omnitel für 15 Mrd.DM übernehmen.Mit dem Erlös will Olivetti einen Teil der Telecom-Italia-Übernahme finanzieren.Sollte der Olivetti-Plan scheitern, wäre Mannesmann im Ausbau seines europäischen Telekommunikationsgeschäfts zurückgeworfen.

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