Entscheidung : VW baut Geländewagen in Wolfsburg

Die VW-Spitze hat sich mit den Arbeitnehmervertretern geeinigt: Der neue VW-Geländewagen wird nun doch in Wolfsburg gebaut. Die Belegschaft nimmt geringere Löhne in Kauf und sichert damit rund 1000 Arbeitsplätze.

Wolfsburg (27.09.2005, 12:20 Uhr) - Der neue kleine Volkswagen-Geländewagen wird nach Zugeständnissen der Belegschaft doch im Stammwerk Wolfsburg und nicht in Portugal gebaut. Das Fahrzeug wird aber nicht zu den Bedingungen des vergleichsweise teuren Haustarifs gefertigt. VW will stattdessen Auszubildende in die Tochter Auto 5000 übernehmen und damit rund 1000 Jobs in Wolfsburg sichern, wie Volkswagen-Spitze und Arbeitnehmerseite am Dienstag nach wochenlangen Verhandlungen mitteilten.

Die VW-Führung gab im Gegenzug außerdem die Zusage für den Bau eines neuen Modells ab 2008 im Werk Emden. Zudem wurde mit Betriebsrat und Gewerkschaft vereinbart, die Wettbewerbsfähigkeit in Wolfsburg weiter zu verbessern, um dort ein zusätzliches Modell fertigen zu können.

Volkswagen fährt derzeit einen harten Sparkurs. VW-Markenchef Wolfgang Bernhard warnte nach der Geländewagen-Einigung: «All die Leute, die glauben, dass damit alle Probleme von VW gelöst sind, denen muss ich sagen, dass dem nicht so ist. Das ist ein erster Schritt auf einem ganz langen Weg, den wir noch vor uns haben.»

Bernhard hatte während der Verhandlungen gedroht, den Geländewagen in Portugal zu fertigen, wenn die Lohnkosten in Wolfsburg nicht um 850 Euro pro Fahrzeug gesenkt würden. Diese Kostenreduzierung in Wolfsburg sei nun erreicht worden. Die Verhandlungen galten als wegweisend für die künftige Produktion und Entlohnung bei VW in Deutschland.

Mit dem neuen Geländewagen will VW seine Modellpalette auf einem wichtigen Feld erweitern. Nach Darstellung eines VW-Sprechers soll der Wagen aus Modulen von Golf sowie Passat gebaut werden. Das neue Auto, der «kleine Bruder» des Geländewagens Touareg, soll 2007 auf den Markt kommen.

Bei der VW-Tochter Auto 5000 GmbH in Wolfsburg wird bereits der Minivan Touran gefertigt. Der neue Geländewagen soll auf den Touran- Produktionsanlagen produziert werden. Damit ergeben sich nach Angaben der IG Metall Einsparungen bei den erforderlichen Investitionen.

Für den Bau des Geländewagens soll die bestehende Belegschaft der Auto 5000 GmbH durch rund 1000 Auszubildende der Abschlussjahrgänge 2006 und 2007 verstärkt werden. Sie werden zu den Konditionen der Auto 5000 eingestellt. Dies bedeutet geringere Löhne und andere Arbeitszeiten. Die übernommenen Azubis erhalten aber bei einem Personalbedarf der Volkswagen AG eine Wiedereinstellungszusage, wie es hieß.

VW-Markenchef Bernhard teilte mit, entscheidend sei, dass VW nun ein Fahrzeug zu «wettbewerbsfähigen Bedingungen in Deutschland fertigen und exportieren» könne. VW-Betriebsratschef Bernd Osterloh erklärte: «Für uns als Betriebsrat hatte bei den Verhandlungen absoluten Vorrang, dass das Fahrzeug in Wolfsburg gebaut und damit Beschäftigung nachhaltig gesichert wird.»

Bernhard und Osterloh gaben am Dienstagmorgen auf dem Werksgelände Statements ab - allerdings nur für Medienvertreter von Fernsehen und Rundfunk. Nachrichtenagenturen und Zeitungen waren davon ausgeschlossen.

IG Metall-Bezirksleiter Hartmut Meine bezeichnete die Einigung als «verantwortungsvolle Entscheidung für sichere Arbeitsplätze». Niedersachsens Ministerpräsident Christian Wulff (CDU) sagte: «Es ging um eine Zukunftsfrage für unser Land, nämlich den Nachweis zu führen, dass industrielle Produktion langfristig am Standort Deutschland möglich ist.»

Die Montage des neuen Fahrzeuges im Werk Emden soll nach IG Metall-Angaben rund 800 bis 1000 der insgesamt rund 9600 Arbeitsplätze dort auslasten. Dazu soll nach VW-Darstellung der Haustarifvertrag verändert werden, damit eine «Wirtschaftlichkeit» des Fahrzeugs erreicht werde. Details würden Mitte Oktober beschlossen. Welches zusätzliches Modell in Emden gebaut werden soll, wurde nicht bekannt gegeben. In Emden werden bisher der Passat sowie der Passat Variant gefertigt. (tso/dpa)

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben