Wirtschaft : Entwickelt in Germany

Obwohl die Firmen ihren Umsatz im Ausland machen – die Forschung bleibt in Deutschland

Ulf Sommer

Düsseldorf – Für Deutschlands Großkonzerne bleibt die Heimat unangefochtener Forschungsstandort Nummer eins. Während die Unternehmen, die im Deutschen Aktienindex (Dax) notiert sind, nur noch knapp ein Drittel ihrer Umsätze im Inland erwirtschaften, betreiben sie rund 75 Prozent ihrer Forschung in Deutschland. Das ist das Ergebnis einer Handelsblatt-Umfrage unter allen Dax-Unternehmen. Studien belegen zudem, dass ausländische Unternehmen Deutschland als Erfinder- und Ideenland mehr als früher schätzen.

Abgesehen von den Banken und Versicherern, die keine klassische Forschung und Entwicklung (F&E) betreiben, loben alle Dax-Konzerne den heimischen Standort. Selbst Unternehmen wie Altana, Bayer und Daimler-Chrysler, die inzwischen nur noch weniger als ein Fünftel ihrer Umsätze in Deutschland erwirtschaften, setzen auf Deutschland. Alle Dax-Konzerne betreiben mindestens zur Hälfte ihre F&E hier zu Lande.

Die Unternehmen finden hier die größte Fachkompetenz und eine enge Verzahnung mit der Wissenschaft. Beispiel BASF: Das Herz der Unternehmensforschung werde auch weiterhin in Ludwigshafen schlagen, sagt BASF-Sprecher Michael Grabicki. „Für Deutschland sprechen nach wie vor der hohe Ausbildungsstand der Wissenschaftler sowie die gute Forschungsinfrastruktur aus Hochschulen, Forschungsinstituten, Großunternehmen und Start-up-Unternehmen“, so der BASF-Sprecher weiter. Der weltgrößte Chemiekonzern richtet an mehreren Standorten Wachstumszentren ein und plant bis 2007 allein in Ludwigshafen zusätzlich etwa 80 Wissenschaftler zu beschäftigen.

Siemens investiert im laufenden Jahr mehr als fünf Milliarden Euro in Forschung und Entwicklung, die Hälfte davon fließt nach Deutschland. Die Münchener loben „eine im internationalen Maßstab absolut wettbewerbsfähige Grundlagenforschung“ und das industrielle Umfeld aus kleinen und mittelständischen Unternehmen.

Das Lob der Dax-Konzerne für den Forschungsstandort Deutschland wird von ausländischen Unternehmen geteilt. So ergab kürzlich eine Umfrage der American Chamber of Commerce unter 78 in Deutschland aktiven US-Firmen mit hierzulande 250 000 Beschäftigten, dass 31 Prozent der Unternehmen ihr F &E-Engagement in Deutschland ausbauen wollen. Vor einem Jahr lag der Wert lediglich bei einem Fünftel. Amerikanische Großkonzerne wie General Electric, 3M und der britische Pharmahersteller Glaxo Smithkline siedelten zentrale Forschungsbereiche in Deutschland an. „Deutschland bietet eine forschungsfreundliche Kultur, die besonders durch hoch qualifizierte Ärzte in Praxis und Klinik geprägt ist. Die Qualität der deutschen Studien ist so gut wie die der USA, aber dort liegen die jeweiligen internen und externen Studienkosten doppelt so hoch wie in Deutschland“, sagt Michael Herschel, Leiter der klinischen Forschung bei Glaxo.

Trotz der unbestrittenen Vorzüge des Forschungsstandortes Deutschland engagieren sich auch die Dax-Konzerne verstärkt jenseits der Grenzen. Beispiel Continental: Zwar sei der klare F&E-Schwerpunkt Deutschland. „Und das wird auch so bleiben. Aber als internationaler Automobilzulieferer müssen wir weltweit mit Forschungs- und Entwicklungszentren vertreten sein: Wegen der Nähe zum Kunden, aus Kostengründen und nicht zuletzt wegen des stetig wachsenden Bedarfs an qualifizierten Naturwissenschaftlern und Ingenieuren“, sagt Continental-Chef Manfred Wennemer.

Besonders interessant sind für die Unternehmen Brasilien, Russland, Indien und China. Gab es hier bis vor fünf Jahren praktisch noch keine Forschung deutscher Konzerne, so erhöhten die meisten Firmen ihren F&E-Anteil dort auf ein bis fünf Prozent.HB

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