Wirtschaft : Entwicklung zum Multimediakonzern angestrebt - Enge Zusammenarbeit mit dem Kirch-Imperium

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Der neue Vorstandsvorsitzende der Unterföhringer Pro Sieben Media AG, Urs Rohner, will aus der TV-Gruppe einen Multimediakonzern zimmern. "Der Kurs bleibt klar auf Expansion ausgerichtet", sagte der Medienmanager zur Bilanzvorlage in Unterföhring bei München. Im TV-Kerngeschäft spreche man derzeit mit dem ebenfalls zum Kirch-Imperium zählenden Privatsender Sat 1 über die Bildung einer Senderfamilie unter Einschluss von Pro 7, Kabel 1 (Pro Sieben-Gruppe). Die Entscheidung darüber liege aber nicht bei ihm, so Rohner, sondern beim Sat-1-Mehrheitsaktionär, also bei Leo Kirch. Eine solche Senderfamilie müsse nicht unter Führung von Pro Sieben stehen.

Änderungsbedarf gebe es für den Fall einer solchen "Dreierkombination" aber eher bei Sat 1, sagte Pro Siebens TV-Chef Ludwig Bauer. Das eigene Haus sei gut aufgestellt. Kaum mehr Handlungsfreiheit hat die Pro-Sieben-Gruppe, deren Aktienmehrheit zuletzt auf die Kirch-Gruppe übertragen wurde, offenbar im Bereich Multimedia. Dieses Geschäft werde im Jahr 2000 mit einer dreistelligen Millioneninvestition kräftig ausgebaut, sagte Rohner. Partner der Wahl ist auch in diesem Fall die Kirch-Gruppe. So verhandle man mit der dazu zählenden Kirch New Media über den gemeinsamen Aufbau eines Internetportals.

Bereits beschlossen ist die Gründung einer gemeinsamen Internet-Projektgesellschaft von Pro Sieben und der Commerzbank-Tochter Comdirect noch im Jahr 2000. Das Produkt soll eine Art virtuelle Finanzgemeinde sein, unter deren Dach Geldgeschäfte und Wirtschaftsinformationen angeboten werden. Die Führung des Gemeinschaftsprojekts liegt laut Pro Sieben bei Comdirekt. Pro Sieben steuert vor allem das Internetangebot seines Nachrichtenkanals N 24 und Unterhaltungselemente bei. Auch der Ausbau des Anfang dieses Jahres gestarteten Nachrichtensenders stehe 2000 auf der Agenda, sagte Rohner.

Unter dem Strich ist er sicher, dieses Jahr erneut Rekordmarken setzen zu können. Der Konzernumsatz, der 1999 um acht Prozent auf 2,1 Milliarden Mark gestiegen ist, soll in der laufenden Periode prozentual einstellig wachsen. Beim Vorsteuerergebnis, das im Vorjahr um sieben Prozent auf 340 Millionen Mark zugelegt hat, kündigte der neue Pro-Sieben-Chef für 2000 ein prozentual zweistelliges Plus an. Das Ergebnis- und Umsatzwachstum im laufenden und im Vorjahr sei trotz aller Investitionen in die Multimediasparte und N 24 möglich, betonte Rohner. 1999 sei zudem ein 35 Millionen Mark teurer Flop mit der TV-Serie "Mallorca" beim Sender Pro 7 verkraftet worden. Der Jahresüberschuss stieg 1999 im Konzern wegen einer Steuernachzahlung nur um drei Prozent auf 157 Millionen Mark. Damit sei die TV-Gruppe das rentabelste Fernsehunternehmen Deutschlands. Defizite werden in diesem Jahr die Multimediasparte und N 24 beisteuern. Die beiden Sender Pro 7 und Kabel 1 haben im Vorjahr ihren Marktanteil von 13,1 auf 13,8 Prozent verbessert, wofür Kabel 1 verantwortlich war. Pro 7 allein fiel in der Zuschauergunst leicht zurück. Ende Februar 2000 kamen beide Sender addiert auf 14,1 Prozent Marktanteil.

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