Entwicklungshilfe : Berliner sollen die Welt retten

Entwicklungsminister Dirk Niebel will Mittelständler motivieren, sich mehr im Ausland zu engagieren. Als Belohnung gibt es öffentliche Fördermittel.

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Entwicklungsminister Niebel wünscht sich mehr Engagement von den Unternehmen aus der Hauptstadt.
Entwicklungsminister Niebel wünscht sich mehr Engagement von den Unternehmen aus der Hauptstadt.Foto: AFP

Berlin - „Wer sich in einem Entwicklungsland engagieren will, muss sehr flexibel sein“, sagt Ute Pieper. Selten laufe alles nach Plan. Die Projektmanagerin spricht aus Erfahrung. Sie arbeitet bei ET-Log Envirotech & Logistics, einem Berliner Unternehmen, das sich auf die Beratung von Gesundheitseinrichtungen spezialisiert hat und sich regelmäßig in Entwicklungs- und Schwellenländern engagiert. „In Indonesien und Vietnam haben wir zum Beispiel Krankenhaus-Mitarbeiter in Infektionsprävention geschult“, sagt Pieper. Sie hätten ihnen gezeigt, wie sie Operationsbesteck sterilisieren, wie sie Patienten Spritzen geben, ohne sich anzustecken und wie sie Krankenhausmüll entsorgen. „ET–Log zeigt, wie private Einrichtungen wichtiges Know-how in Entwicklungsländern einbringen“, lobt Bundesentwicklungsminister Dirk Niebel (FDP) die Arbeit der Berliner Firma. Auf einer Informationsveranstaltung der Industrie- und Handelskammer (IHK) Berlin wirbt er an diesem Mittwoch bei den regionalen Mittelständlern für mehr Engagement in Entwicklungsländern.

Berliner Firmen haben zuletzt im Schnitt jährlich sechs Millionen Euro in eigene Entwicklungsprojekte investiert und dafür öffentliche Fördermittel von 2,7 Millionen Euro bekommen. Mit Unterstützung der Wirtschaft könnte ein viel größerer Effekt erzielt werden als allein mit Steuergeldern, meint Niebel. Seit längerem versucht der Minister die deutsche Wirtschaft stärker in die Entwicklungspolitik einzubinden. „So gewinnen am Ende alle“, argumentiert er. „Die Menschen in unseren Partnerländern haben die Chance auf Beschäftigung und Entwicklung, die deutsche Wirtschaft erhält Zugang zu neuen Märkten und der deutsche Steuerzahler wird entlastet.“

Außerdem könnten die deutschen Firmen auch Vorbild für die regionalen Betriebe in Entwicklungsländern sein. „Unsere bisherigen Erfahrungen zeigen, dass deutsche Firmen im Ausland meist weit aus höhere Umwelt- und Sozialstandards einhalten, als vor Ort eigentlich von ihnen verlangt wird“, sagt der Minister.

Letztlich sei das Engagement der Firmen im Ausland auch gut für den Berliner Standort, meint Markus Voigt, Präsident des Vereins Berliner Kaufleute und Industrieller (VBKI): „Die wirtschaftliche Tätigkeit global weiter auszubauen und dabei gezielt in Entwicklungsländer zu gehen, führt zu Wachstum hier am Berliner Heimatstandort.“

Dabei haben es Firmen, die sich im Ausland engagieren wollen, nicht leicht. „Sie stehen vor großen Herausforderungen“, sagt Berlins IHK-Präsident Eric Schweitzer. „Mangelnde Rechtssicherheit, Fachkräftemangel oder eine marode Infrastruktur können Probleme bereiten.“ Um das Engagement der Firmen zu fördern, hat das Entwicklungsministerium auf eigene Kosten bundesweit 13 Mitarbeiter in Wirtschaftsverbände und Kammern entsandt. Auch in der Berliner IHK sitzt mit Petra Ruth seit einem halben Jahr eine Expertin für Entwicklungszusammenarbeit, die Unternehmer berät.

Michael Schleusener hat in Brasilien bislang nur gute Erfahrungen gemacht. Er ist Prokurist bei BDC Dorsch, einer Berliner Ingenieurgesellschaft, die Infrastrukturprojekte plant und den Bau leitet. Seit gut einem Jahr berät die Firma die Stadtverwaltung von Mogi Mirim, einer Stadt mit etwa 92 000 Einwohnern Nahe Sao Paulo, in Fragen der Abfallbeseitigung. Die Ingenieure erklären den Brasilianern zum Beispiel, wie sie richtig Müll trennen und wie aus sie aus Bioabfall Brennmaterial machen. Bislang lande der Müll auf einer Deponie, nur ein Bruchteil würde recycelt, sagt Schleusener: „Wir wollen Hilfe zur Selbsthilfe leisten.“ Langfristig soll sich das Engagement für die Ingenieurfirma auszahlen. Der Leiter der Geschäftsentwicklung hofft, durch das ehrenamtliche Engagement mit Brasilien einen neuen Markt erschließen zu können.

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