Wirtschaft : Entwicklungshilfe geht zurück

Industrieländer zahlen immer weniger / Kaum privates Kapital FRANKFURT (MAIN) (ro).Die Industrieländer haben immer weniger Geld für die Entwicklungshilfe übrig.1997 rutschen die Netto-Zahlungen an die armen und ärmsten Länder weiter von 40 auf 37 Mrd.Dollar ab.Damit stellen die Industrieländer nach Angaben der Weltbank im Schnitt gerade 0,2 Prozent ihres jeweiligen Bruttoinlandsproduktes (BIP) für die Entwicklungshilfe zur Verfügung."Dadurch besteht die reale Gefahr, daß wir den Entwicklungsbedürfnissen der ärmsten Länder nicht mehr gerecht zu werden vermögen", warnt Weltbank-Vizepräsident Masood Ahmed.Offenbar werde nicht verstanden, daß es nicht nur um einen Rettungsring für die ärmsten Länder gehe, sondern auch um eine Investition in die gemeinsame Zukunft. Mitte der achtziger Jahre gab der Norden noch 0,35 Prozent gemessen am BIP für die Entwicklungshilfe aus.Das allgemein immer wieder propagierte Ziel, 0,7 Prozent aufzuwenden, haben die reichen Länder angesichts der eigenen Haushaltsprobleme offenbar völlig aus den Augen verloren.Nach Einschätzung der Weltbank, die am Montag in Frankfurt ihren jährlichen Bericht über die Kapitalströme in die Entwicklungsländer vorstellte, ist dies vor allem für die ärmsten Länder fatal, weil gerade sie kaum privates Kapital anlocken könnten. Immerhin attestiert die Weltbank den Industrieländern, sich um mehr Effizienz in der Entwicklungshilfe zu bemühen.Die Unterstützung konzentriere sich immer stärker auf die Länder, die selbst auch ein starkes Interesse an einer raschen Entwicklung erkennen ließen.Positiv bewertet die Weltbank auch die Fortschritte bei der Schuldeninitiative für besonders hoch verschuldete arme Länder (HPIC-Initiative).Mit vier Ländern - Bolivien, Burkina Faso, Guyana und Uganda - haben sich Weltbank und Internationaler Währungsfonds (IWF) 1997 über einen Schuldenerlaß von insgesamt 1,2 Mrd.Dollar geeinigt.Die Elfenbeinküste ist Mitte März mit einem Erlaß in Höhe von 345 Mill.Dollar dazugekommen. Im Gegensatz zum Rückgang der offiziellen Entwicklungshilfe ist der gesamte Geldstrom in die Entwicklungsländer 1997 weiter angestiegen: Von 281 auf 300 Mrd.Dollar.Davon entfallen 257 Mrd.auf private Gelder, davon wiederum die Hälfte auf Direktinvestitionen. Die Krise in Asien wird diese Kapitalströme 1998 und in den nächsten Jahren, vermutet Weltbank-Experte Uri Dadush, kaum bremsen.Im Januar und Februar habe sich schon gezeigt, daß wieder deutlich mehr Geld in die Region fließe als nach Ausbruch der Krise im letzten Quartal 1997.Das robuste Klima der Weltwirtschaft biete ein gutes Klima für die Erholung der einzelnen Länder, Investoren hätten diese Lage erkannt. Schwere Bedenken hegt die Weltbank allerdings mit Blick auf Indonesien.Sollte sich die Krise entgegen den Erwartungen nach der Beruhigung in den letzten Monaten und der massiven internationalen Hilfe in der gesamten Region doch wieder ausweiten, droht nach Einschätzung der Weltbank zwischen Thailand und Indonesien ein starker Anstieg der Armut.Ein Großteil der erfolgreichen Armutsbekämpfung der letzten 30 Jahre würde damit langsam wieder zunichte gemacht.

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