Entwicklungspolitik : China und das Öl in Angola

Bei Angola denkt man an Bürgerkrieg, Korruption und Armut. Doch das Land befindet sich im Aufbruch. Nicht zuletzt dank der Chinesen, die dort eine aktive Rohstoffpolitik betreiben. Deutschland hinkt dabei hinterher.

Tim Braune
Angola
Land der Kontraste: Neben Wellblechhütten entstehen moderne Siedlungen. -Foto: AFP

LuandaDer schwarze Volvo mit Michael Glos auf dem Rücksitz rast durch die Slums von Luanda. Doch trotz Polizeieskorte muss der Wagen des Bundeswirtschaftsministers immer wieder das Tempo drosseln. Bagger und Laster versperren den Weg. In Angolas Hauptstadt ist der Bauboom ausgebrochen - sichtbares Zeichen für den beginnenden Aufschwung. Auf vielen Bauzäunen sind die Namen chinesischer Firmen zu lesen. Angola ist wichtigster Öllieferant Chinas. Die asiatische Wirtschaftsmacht zahlt es den Afrikanern mit Straßen, Schienen, Häusern und einem Heer von zehntausenden Bauarbeitern zurück.

Zwischen 30.000 und 50.000 Chinesen sollen in dem Land am Atlantik arbeiten, das dreimal so groß wie Deutschland ist, aber nur 14 Millionen Einwohner hat. Seit dem Ende des Bürgerkriegs, der Angola jahrzehntelang auszehrte, hat es Peking verstanden, mit Geschick, Fleiß und vielen Milliarden einen zuverlässigen Rohstofflieferanten an sich zu binden. Im nächsten Jahr will Angola täglich über zwei Millionen Fass Öl fördern. Davon gehen 40 Prozent nach China und 35 Prozent in die USA. 2006 spülte das schwarze Gold über 30 Milliarden Dollar in die angolanische Staatskasse.

Fachwissen hoch geschätzt

Von deutschen Unternehmen ist auf den ersten Blick in der Vier-Millionen-Metropole Luanda nichts zu sehen. Im schicken Kongresszentrum vor den Toren der Stadt fährt dann aber ein grauhaariger Mann im schlichten grauen Anzug auf einer Rolltreppe von ThyssenKrupp nach oben. Helmut Gauff geht auf die 80 zu. Doch an Ruhestand verschwendet der Ingenieur aus Franken keinen Gedanken. Sein Wissen wird in Angola hoch geschätzt. Und selbst die Chinesen machen, was der Experte sagt. Gauff und seine Mitarbeiter überwachen ihm Auftrag der angolanischen Regierung, dass die Chinesen beim Bau von Straßen und Eisenbahnen nicht pfuschen.

Gauff kontrolliert mit seinem Ingenieur-Büro gerade den Bau einer 380 Kilometer langen Straße, die knapp 400.000 Dollar je Kilometer kostet. Bald sollen Regionalbahnen auf die Schiene gesetzt werden, weil der Verkehr in Luanda kollabiert. "Auch die Wasserversorgung ist ein Riesenproblem. 60 Prozent wird einfach verschwendet", sagt Gauff. Die Chinesen hätten anders als die Europäer die richtige Strategie gefunden, um mit den Afrikanern zusammenzuarbeiten. "Mit dem moralischen Zeigefinger erreichen Sie hier nichts."

Öl könnte in Angola zum wirklichen Segen werden

Für deutsche Firmen sieht Gauff vor allem in der Projektleitung und bei der Ausbildung von Fachkräften großes Potenzial. Glos kündigte während seines Angola-Besuchs an, dass die Bundesregierung künftig großzügiger Hermes-Bürgschaften vergeben will. Die Banken haben bereits zugegriffen. Commerzbank, Deutsche Bank und BHF-Bank unterzeichneten Kreditabkommen in Milliardenhöhe. Damit sollen Infrastrukturprojekte finanziert werden.

Helmut Gauff ist zuversichtlich, dass der Ölsegen in Angola - anders als in vielen afrikanischen Staaten - nicht zum Fluch wird. Es gebe Korruption, aber auch viele Vorteile: "Sie finden keinen Rassismus und keinen Islam. Die Menschen sind liberal, müssen sich nur wegen des Bürgerkriegs erst wieder ans Arbeiten gewöhnen. Das Land kann einmal das Brasilien Afrikas werden und Südafrika an politischer Bedeutung überflügeln." (mac/dpa)

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