Wirtschaft : Eon AG: Der Konzern sucht Strom-Kunden in Nordamerika

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Der seit Monaten anhaltende Streit um die Eigentumsstruktur des Berliner Stromversorgers Bewag könnte noch in in dieser Woche beigelegt werden. Wie aus Kreisen der Beteiligten verlautete, wird das Schiedsgericht am Donnerstag erneut darüber beraten, ob der amerikanische Bewag-Eigentümer Mirant (26 Prozent) (vormals Southern Energy) im vergangenen Sommer berechtigt war, der Eon AG zu untersagen, 49 Prozent der Bewag-Aktien an die Hamburger Electricitätswerke HEW zu verkaufen. Während Eon an seinem Standpunkt festhält, den Käufer der Anteile frei wählen zu können, pocht Mirant weiter auf ein Vorkaufsrecht. Vergleichsweise hatte Eon den Amerikanern angeboten, sich die Aktien der Bewag mit HEW zu teilen. Mirant ging auf dieses Angebot bislang nicht ein.

Sowohl Mirant als auch HEW spekulieren auf eine eindeutige Entscheidung des Schiedsgerichtes und rechnen sich damit auch eine Klärung der Eigentumsstruktur des ostdeutschen Stromversorgers Veag aus. Zwar veräußerten Eon und RWE ihre Aktien an der Veag bereis an HEW. Doch Insider rechnen damit, dass die Bewag-Entscheidung maßgeblichen Einfluss auf die Eigentumsverhältnisse bei der so genannten "vierten Kraft" in der deutschen Strombranche, die aus Veag/Bewag und HEW gebildet werden soll, haben wird.

Während Mirant ein so genannes "Joint Control" angeboten hatte, beharren die Hamburger weiterhin auf der alleinigen Mehrheit. Mehr noch: Sie erwägen noch immer, die vierte Kraft ohne eine Beteiligung der Bewag aufzubauen, wenn das Schiedsgericht am Ende der Woche Eon zwingen solle, die Bewag-Aneile an ihren Kontrahenten Mirant zu verkaufen.

Auch Eon-Vorstandschef Ulrich Hartmann rechnet offensichtlich mit einer raschen Lösung. Anlässlich der Bilanzvorlage sagte er am Dienstag in Düsseldorf, eine Entscheidung des Schiedsgerichtes sei innerhalb "der kommenden zehn bis 14 Tagen möglich". Ein Jahr nach der Fusion von Veba und Viag präsentierte sich der Energiekonzern Eon in Düsseldorf in guter Form. Das Unternehmen habe nicht nur Rekorde bei Ergebnis und Umsatz erzielt, sondern sei auch bei seiner strategischen Neuausrichtung vorangekommen, sagte Hartmann. Bedingt vor allem durch Buchgewinne aus Beteiligungsverkäufen kletterte der Jahresüberschuss um rund 30 Prozent auf 3,7 Milliarden Euro (7,3 Milliarden Mark). Durch kräftige Zuwächse in den Sparten Chemie und Öl erhöhte sich der Umsatz auf 93 Milliarden Euro (plus 34 Prozent).

Vom Start weg sei Eon damit einer der finanzkräftigsten Konzerne Europas, sagte Hartmann. Bis Ende 2001 soll sich das Betriebsergebnis unter anderem durch eine Erholung der Strompreise beträchtlich erhöhen. In der Energiesparte hatte Eon im vergangenen Jahr mit einem Ergebniseinbruch von 30 Prozent kräftig Federn gelassen.

Beim Überschuss erwartet Eon 2001 dagegen einen deutlich niedrigeren Wert. So sollen keine wesentlichen Gewinne aus Beteiligungsverkäufen mehr anfallen. Ein weiterer Börsengang der Logistiktochter Stinnes kommt frühestens 2002. In seinen Kernsparten (Energie/Chemie) setzt Eon auf Expansion. Bei der schwedischen Sydkraft sei man auf dem besten Wege, eine Kontrollmehrheit zu übernehmen, sagte Hartmann. Hinter den Staatsbetrieben EdF (Frankreich) und Enel (Italien) sehen sich die Düsseldorfer als der drittgrößte Versorger in Europa. Außerdem plant Eon den Einstieg in den US-Markt, der Hartmann zufolge stärker wächst als der europäische. Keine Angaben wollte Hartmann zu Gesprächen über Kooperationen im Energiebereich machen. Man prüfe zahlreiche Optionen.

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