Wirtschaft : Eon AG: Energiekonzern will deutsche Stadtwerke kaufen

ews/jsn

Der Einbruch der Ergebnisse beim Strom hat die Eon AG, Düsseldorf, in den ersten drei Quartalen 2000 belastet. Das Betriebsergebnis im Konzern, der aus Veba und Viag hervorgegangen ist, sank im Vergleich zur Vorjahresperiode um neun Prozent auf 1,9 Milliarden Euro. Doch heißt es im Zwischenbericht, dass sich das Betriebsergebnis im Gesamtjahr noch leicht erholen werde. Eon-Chef Ulrich Hartmann warnte die Bundesregierung vor diesem Hintergrund, die Stromerzeuger politisch weiter zu belasten. Die Vorteile für die Stromverbraucher gingen verloren, wenn statt der Liberalisierung wieder eine Regulierung des Marktes greife. Die Gefahr dazu bestünde, wenn die Koalitionspläne zum Ausbau der Kraft-Wärme-Kopplung auf der Basis von Zwangsquoten verwirklicht würden. Dann würden 30 bis 40 Prozent des Strommarktes reguliert.

Für das gesamte Geschäftsjahr erwartet Eon, die nach der Fusion von Veba und Viag das erste Geschäftsjahr absolviert, zwar eine leichte Verbesserung in den letzten drei Monaten. Aber insgesamt soll das Ergebnis von 1999 nicht wieder erreicht werden. Erstmals wurden die Zahlen nach dem amerikanischen Bilanzwerk US-Gaap erstellt und für 1999 vergleichbar gemacht.

Für die nächsten Jahre zeigt sich Hartmann schon deshalb optimistisch, weil nach der Umstellung auf US-Gaap Good-Will-Abschreibungen von sechs Milliarden auf eine Milliarden Euro reduziert werden. Damit entfallen Ergebnisbelastungen von 300 Millionen Euro jährlich. Außerdem sei die Talsohle bei den Strompreisen mittlerweile durchschritten, nachdem seit der Liberalisierung im vorigen Jahr Preise für Weiterverteiler um 60 Prozent, für Industriekunden um 35 Prozent und für Tarifkunden um 20 Prozent gesunken waren.

Da der Düsseldorfer Konzern mit den beiden Standbeinen Energie (Strom, Gas, Wasser) und Chemie sowie der Randaktivität Immobilien seine Politik des Verkaufs von Beteiligungen, die nicht mehr als Kerngeschäft definiert sind, erfolgreich fortgesetzt hat, ist allerdings der Konzernüberschuss vor Steuern um 55 Prozent auf 7,1 Milliarden Euro gestiegen. In diesem Jahr hat Eon aus den Desinvestitionen von E-Plus, Veba Electronics, Gerresheimer Glas und Schmalbach-Lubeca Netto-Buchgewinne von 4,6 Milliarden Euro erzielt gegenüber 2,2 Milliarden in den ersten neun Monaten 1999. Anfang 2001 soll die Option des Verkaufs der Viag-Interkom-Anteile an British Telecom gezogen werden. Damit fließen weitere 11,4 Milliarden Euro. Nun soll eine Phase der Akquisitionen auf nationaler und internationaler Ebene in zweistelliger Milliarden-Höhe folgen. Neben Osteuropa nannte der Eon-Chef Skandinavien, Spanien und Großbritannien als interessante Schwerpunkte für die Stromexpansion.

In Deutschland sind im Stromgeschäft keine großen Deals mehr möglich. Deshalb strebt Eon den Ausbau von Vertriebspartnerschaften mit kommunalen und regionalen Unternehmen an. "Es hat sich herausgestellt, dass solche Beteiligungen günstiger kommen, als die direkte Akquisition von Tarifkunden", erklärt Hartmann. Bestehende Minderheitsbeteiligungen sollen - wenn möglich - auf konsolidierungsfähige Mehrheiten aufgestockt werden. Die Ambitionen im internationalen Wassergeschäft die Position zu stärken, sind nach dem Abbruch der Gespräche mit dem US-Unternehmen Azurix und der französischen Saur-Gruppe, die zum Bouygues-Konzern gehört, nicht aufgegeben. Mit den Franzosen existierten nach wie vor "komplementäre Interessenlagen", zumal Eon noch an der Bouygues Telecom eine Minderheitsbeteiligung halte. Diese könne gegen Saur getauscht werden. Hartmann ließ offen, ob dies schon kurzfristig geschehen werde. Für die angestrebte Mehrheitsbeteiligung am Essener Ferngasriesen Ruhrgas AG benötige Eon einen langen Atem, betont Hartmann.

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