Wirtschaft : Eon geht ans Limit

Rechnet sich das auf 37 Milliarden Euro erhöhte Gebot für Endesa? Analysten sind skeptisch

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Düsseldorf - Der deutsche Energiekonzern Eon geht im Übernahmekampf um den spanischen Versorger Endesa nach Ansicht einger Analysten an seine finanziellen Grenzen. Vorstandschef Wulf Bernotat verteidigte am Mittwoch die neue Offerte von insgesamt 37 Milliarden Euro, die rund 38 Prozent höher liegt als das bisherige Gebot. In einer Analystenkonferenz sagte er, die Übernahme rechne sich für Eon trotzdem. An der Börse war die Eon-Aktie am Mittwoch einer der größten Verlierer im Dax. Sie gab um 1,2 Prozent nach – in einem ansonsten positiven Marktumfeld.

Eon hatte am Dienstagabend überraschend angekündigt, das Gebot von 25,4 Euro je Endesa-Aktie auf 35 Euro aufzustocken. Der Konzern reagierte damit auf den anhaltenden Widerstand in Spanien. Zuletzt hatte der Mischkonzern Acciona die Pläne gestört und sich 14 Prozent der Anteile gesichert. Eon legte daraufhin rasch nach – offenbar um zu verhindern, dass Acciona wie geplant seinen Anteil auf knapp 25 Prozent ausbaut. Die Messlatte hatte die Acciona-Führung gelegt, die je Aktie 32 Euro bezahlte. Damit war klar, dass Eon das Gebot nachhaltig erhöhen musste. Durch die Übernahme soll der weltweit größte Energieversorger entstehen.

Mehrere Analysten senkten nun ihre Bewertung der Eon-Aktie ab – unter anderem die WestLB. „Mit den 35 Euro ist die Grenze, bis zu der sich die Übernahme rechnet, erreicht“, sagte Analyst Peter Wirtz. „Das dürfte das Ende der Fahnenstange sein“, sagte Stephan Wulf von Sal. Oppenheim.

Eon-Chef Bernotat selbst hat sich für Übernahmen strenge Kriterien auferlegt. Ein Zukauf muss bereits im ersten Jahr nach der Transaktion den Ertrag des Konzerns steigern, spätestens nach drei Jahren müssen die Renditen über den Kapitalkosten liegen und die Finanzziele des Gesamtkonzerns dürfen nicht gefährdet werden. Nach Bernotats Worten ist dies selbst bei einem Kaufpreis von 35 Euro gewährleistet.

Auch Analyst Wulf hält den Preis für vertretbar. Eon habe zwar das Gebot im Vergleich zur ersten Offerte im Februar um 38 Prozent erhöht, im selben Zeitraum hätten sich aber auch die Gewinnerwartungen von Endesa um 20 Prozent verbessert. Damit relativiere sich der Aufschlag, den Eon aus strategischen Gründen habe machen müssen.

WestLB-Analyst Wirtz ist da skeptischer: „Die Finanzkriterien sind zwar erreichbar, das hängt aber davon ab, welche Erwartungen man an das zukünftige Wachstum hat.“ Und ob sich die Übernahme für Eon strategisch auszahle, werde sich erst in einigen Jahren zeigen. Eon setze auf die Öffnung des europäischen Energiemarkts. Wann diese verwirklicht wird, lasse sich aber schwer prognostizieren. „Eon reizt die Chancen weit aus“, sagte Wirtz, „das kann gut gehen, abschließend beurteilen lässt sich das aber noch nicht.“ juf/HB

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