Wirtschaft : Eon geht auf Einkaufstour

Anleger können auf eine höhere Dividende hoffen

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Düsseldorf Der größte deutsche Energiekonzern Eon will durch Übernahmen vor allem in Europa weiter wachsen. Der Strom- und Gasversorger gehe in eine „neue Phase“ und wolle dabei zusätzliche Wertschöpfungspotenziale erschließen, sagte der Vorstandsvorsitzende Wulf Bernotat am Donnerstag auf der Bilanzpressekonferenz in Düsseldorf. Das vergangene Geschäftsjahr schloss Eon erwartungsgemäß mit einem deutlichen Plus beim operativen Ergebnis ab – dazu haben auch die höheren Verbraucherpreise für Strom und Gas beigetragen. Eon kam damit seinem Ziel näher, der weltweit führende Energiekonzern zu werden. Weitere Preiserhöhungen soll es dieses Jahr nicht geben.

Bei der geplanten Einkaufstour schloss Eon-Chef Bernotat „größere Schritte“ im Volumen von über fünf Milliarden Euro nicht aus, auch wenn derzeit keine konkreten Großübernahmen geplant seien. In den vergangenen zwei Jahren hatte sich der Konzern nur nach kleinen und mittelgroßen Firmen umgeschaut – als Obergrenze galt ein Volumen von fünf Milliarden Euro. „Jetzt heben wir diese selbst auferlegte Beschränkung auf“, sagte der Vorstandsvorsitzende.

In Deutschland will Eon bis Ende 2007 rund 5,2 Milliarden Euro in den Ausbau der Strom- und Gasnetze sowie in umweltschonende Kraftwerke investieren. In der Planung seien ein neues Kohle- und ein neues Gaskraftwerk sowie der Ersatz für einen älteren Kraftwerksblock – insgesamt 2000 Megawatt Kapazität. Über die Standorte werde noch in diesem Jahr entschieden.

Für 2005 rechnet Eon mit einer „leichten Steigerung“ des operativen Ergebnisses. Ob der Nettogewinn 2005 das Vorjahresniveau wieder erreichen kann, werde entscheidend von den Buchgewinnen aus den geplanten Verkäufen des Immobilien-Konzerns Viterra und der für Messtechnik und Industrieofenbau zuständigen Gesellschaft Ruhrgas Industries abhängen. Vor allem wegen dieses verhaltenen Ausblicks bewerteten Analysten die Bilanz mit gemischten Gefühlen. Die Aktie verlor bis zum späten Nachmittag fast drei Prozent auf 64,85 Euro und war damit stärkster Verlierer im Dax. „Der Rückgang des Eon-Kurses spiegelt die Ängste vor überteuerten Akquisitionen wider“, befindet Matthias Heck von Privatbank Sal. Oppenheim. Insgesamt aber sieht Heck die Entwicklung positiv – unter dem Vorbehalt, dass „Eon zu vernünftigen Preisen akquiriert“.

Die Aktionäre von Eon können trotz der Einkäufe auf eine höhere Dividende hoffen. Für das vergangene Jahr plant der Konzern eine auf 2,35 Euro (Vorjahr 2,00 Euro) angehobene Ausschüttung. Außerdem soll bis 2007 die Ausschüttungsquote auf 50 bis 60 Prozent des Überschusses vor Sondereffekten gesteigert werden. Für den geplanten Verkauf der knapp 43-prozentigen Beteiligung am Düsseldorfer Spezialchemiekonzern Degussa stellte Eon zudem eine Sonderdividende in Aussicht. Analysten rechnen hier mit 3,00 Euro pro Aktie.

2004 erhöhte sich das Ergebnis vor Steuern und Zinsen (Ebit) um 18 Prozent auf 7,36 Milliarden Euro. Das Nettoergebnis betrug 4,34 Milliarden Euro nach 4,65 Milliarden im Jahr zuvor. Der Umsatz habe sich vor allem wegen der erstmaligen ganzjährigen Einbeziehung von Eon Ruhrgas um sechs Prozent auf 49,1 Milliarden Euro erhöht. Hier hatten Analysten mit rund einer Milliarde weniger gerechnet.uf/ HB/mbe/ddp

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