Wirtschaft : Eon gibt auf

Der Energiekonzern verliert den Kampf um den spanischen Konkurrenten Endesa. Dieser soll nun aufgeteilt werden

Jürgen Flauger

Düsseldorf - Eon hat den Übernahmekampf um Spaniens größten Energiekonzern Endesa verloren. Der deutsche Energiekonzern einigte sich am Montag mit seinen Rivalen, dem italienischen Versorger Enel und dem spanischen Mischkonzern Acciona, auf einen Kompromiss. Eon-Chef Wulf Bernotat gibt sich mit seinem Angebot, dessen Annahmefrist heute abläuft, geschlagen und überlässt den Konkurrenten den Vortritt bei Endesa. Im Gegenzug erhält er lukrative Aktivitäten von Enel und Endesa in Spanien, Frankreich, Italien, Polen und der Türkei.

Damit endet für Bernotat ein Übernahmekampf, den er über ein Jahr lang erbittert geführt und bei dem er bereits zahlreiche Hürden übersprungen hatte. Letztlich musste er aber einsehen, dass er die Mehrheit an Endesa nicht bekommen konnte. Enel und Acciona hatten sich zunächst am Markt 46 Prozent der Anteile gesichert, vor eineinhalb Wochen eine Allianz geschmiedet und angekündigt, Eons 42,3 Milliarden Euro teure Offerte noch zu überbieten. Weitere drei Prozent, die von der spanischen Staatsholding Sepi kontrolliert werden, waren für Bernotat ebenfalls unerreichbar.

Letztlich ist Eon auch am Widerstand der spanischen Politik gescheitert, die von Anfang an versucht hatte, den Einstieg des deutschen Konzerns zu verhindern und Endesa unter spanischer Kontrolle zu halten. Dies haben Enel und Acciona, die schon bald ihre neue Offerte unterbreiten wollen, versprochen. In Branchenkreisen wird sogar spekuliert, dass die Allianz von Enel und Acciona von Regierungsvertretern eingefädelt wurde.

„Der Eintritt von Acciona und Enel bei Endesa hat unser ursprüngliches Ziel, eine Mehrheit an Endesa zu übernehmen, unerreichbar gemacht“, sagte Bernotat am Montagabend. Eon hatte zwischenzeitlich erwogen, sich zunächst mit einer Minderheitsbeteiligung zufrieden zu geben und die Konkurrenten in ein Patt zu zwingen. Bernotat setzte dabei vor allem auf den Rechtsweg. Er warf Enel und Acciona vor, gegen das Börsenrecht in Spanien und den USA, wo Endesa notiert ist, verstoßen und die Aktionäre über ihre Pläne getäuscht zu haben. Mit den Klagen, die der Konzern in Madrid und New York eingereicht hat, hätte er die Pläne der Konkurrenten zumindest über einen langen Zeitraum blockieren können. Mit diesem letzten Trumpf in der Hand hat er Enel und Acciona nun zu substanziellen Zugeständnissen gezwungen. Alle Parteien werden ihre Klagen fallen lassen.

Wenn Enel und Acciona die Mehrheit an Endesa übernehmen, wird Eon ein umfangreiches Beteiligungspaket erhalten, dessen Volumen bei rund zehn Milliarden Euro liegen soll. Eon erhält zudem Zugang zum spanischen Markt, wenn auch in wesentlich kleinerem Umfang als ursprünglich geplant. Der Konzern übernimmt Enels bisherige Spanien-Tochter, den Versorger Viesgo, der selbst über Erzeugungskapazitäten von rund 2 400 Megawatt verfügt und mit Endesa-Kraftwerken gestärkt werden soll. Mittelfristig soll Eon damit in Spanien auf einen Marktanteil von zehn Prozent kommen und der viertgrößte Versorger des Landes werden.

Zudem übernimmt Eon zahlreiche Aktivitäten von Endesa in Europa. In Italien steigt Eon zum viertgrößten Stromproduzenten auf und kann seine bisherigen Aktivitäten im Strom- und Gasgroßhandel ergänzen. In Frankreich erhält Eon durch die Übernahme der Endesa-Tochter Snet und wird dort zur Nummer drei in der Stromproduktion.

An der Börse wurde die Einigung begrüßt. Der Kurs der Eon-Aktie stieg im Parketthandel der Frankfurter Börse nach Xetra-Schluss um mehr als sechs Prozent auf 107,25 Euro. „Unter den gegebenen Bedingungen ist das eine sehr gute Lösung“, sagte Analyst Stephan Wulf von Sal. Oppenheim. Durch den langen Übernahmekampf sei Eon wie gelähmt gewesen. HB

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