Wirtschaft : Eon gibt Milliarden im Ausland aus

Energiekonzern sucht weiter nach Übernahmezielen und kritisiert Investitionsbedingungen in Deutschland

Nils-Viktor Sorge

Düsseldorf - Der Versorger Eon konzentriert sich bei neuen Milliardenprojekten auf Vorhaben außerhalb Deutschlands. „Schwerpunktmäßig werden wir im Ausland investieren“, sagte Konzernchef Wulf Bernotat am Donnerstag in Düsseldorf. Der Strom- und Gaskonzern will bis 2010 etwa 60 Milliarden Euro vor allem in Kraftwerke stecken und eigene Aktien im Wert von sieben Milliarden Euro zurückkaufen, erläuterte Bernotat. Trotzdem sehe sich Eon aber weiter nach Kaufobjekten um.

Bis 2010 will Eon unter anderem knapp zwölf Milliarden Euro in Kraftwerksprojekte in Spanien, Frankreich und Italien stecken, wo das Unternehmen im Zuge der gescheiterten Endesa-Übernahme eine Reihe von Beteiligungen erhalten hatte. Zudem will der Konzern in Russland und der Türkei einsteigen und die Stromerzeugung aus erneuerbaren Energien ausbauen. Die Erzeugungskapazität will Eon bis 2010 auf 67000 Megawatt von jetzt 46000 steigern. Bislang hatte der Konzern Investitionen in Höhe von 25,3 Milliarden Euro bis 2009 angekündigt.

„Wenn sich die Investitionsbedingungen in Deutschland verschlechtern, muss man sich in anderen Ländern engagieren“, sagte Bernotat. Damit spielte er auf Proteste gegen neue Kohlekraftwerke in der Bundesrepublik und die gewünschte Kartellrechtsnovelle von Wirtschaftsminister Michael Glos (CSU) an. Danach müssen Energieversorger beweisen, dass ihre Preise gerechtfertigt sind.

Zuletzt war der Konzern im 14 Monate währenden Übernahmekampf um den spanischen Versorger Endesa gescheitert, für den man mehr als 40 Milliarden Euro geboten hatte. Marktbeobachter hatten mit Spannung erwartet, wie Eon seine Finanzkraft nun einsetzen würde.

Die Börse feierte Eons Investitionspläne mit einem Kursfeuerwerk. Die Papiere des Konzerns, der im Dax das höchste Gewicht hat, legten um 4,12 Prozent auf 122,18 Euro zu. Analysten und Anleger freuten sich besonders über das Aktienrückkaufprogramm. „Der Umfang ist deutlich höher als erwartet“, sagte Analyst Theo Kitz von der Bank Merck & Finck. Eon habe damit das mit Abstand umfangreichste Rückkaufprogramm der Dax-Unternehmen aufgelegt. Mit einem Volumen von sieben Milliarden fiel es fast doppelt so hoch aus wie von Branchenkennern vermutet. Indem das Unternehmen etwa zehn Prozent der Aktien zurückkauft, fällt von der Dividende für die verbleibenden Anteilseigner mehr ab. Zudem versprach Bernotat regelmäßige Dividendensteigerungen von zehn bis 20 Prozent.

Die angekündigten Investitionen und Aktienrückkäufe sind wegen des gescheiterten Endesa-Geschäfts dennoch aus der Not geboren. Deshalb zeigte sich der Konzernvorstand weiter offen für Zukäufe „dicker Fische“. „Wir verabschieden uns nicht von dieser Idee“, sagte Finanzvorstand Marcus Schenck. Folglich fährt das Unternehmen eine zweigleisige Strategie, indem es die Aktionäre mit Milliardengeschenken zufrieden stellt und organisch wachsen will, gleichzeitig aber Milliarden-Übernahmen im Auge behält. „Das kann sich Eon aber leisten, weil sie finanziell so stark sind“, sagte Analyst Kitz.

Verbraucherschützer hatten Energieversorgern immer wieder vorgeworfen, ihre Rekordgewinne mit überhöhten Strompreisen erzielt zu haben. Die Unternehmen hatten sich dagegen verwehrt.

Die Effizienz seines Kraftwerksparks will Eon bis 2030 deutlich steigern und nur noch halb so viel Kohlendioxid pro erzeugte Menge Strom ausstoßen wie heute. Voraussetzung dafür sei allerdings, dass Kohlekraftwerke ihre Emissionen des klimaschädlichen Gases künftig abscheiden und in der Erde endlagern, hieß es. Zudem müsse die Kernkraft weiter eine große Rolle spielen. Eon plant laut Bernotat, sich an Atomkraftprojekten in Finnland, Großbritannien und Osteuropa zu beteiligen. Nils-Viktor Sorge

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