Wirtschaft : Eon hält an Übernahme von Ruhrgas fest

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Die Eon AG sieht ihr Ziel, die Mehrheit an der Ruhrgas AG in Essen zu erwerben, auch nach der Abmahnung durch das Bundeskartellamt nicht gefährdet. "Wir sind zuversichtlich, bis zum Ende des Verfahrens eine Freigabe der Transaktion zu erreichen," heißt es beim Düsseldorfer Eon-Konzern. Mit Auflagen habe man von Anfang an gerechnet. Ulf Böge, der Präsident des Bundeskartellamtes in Bonn, hat in einem Schreiben an Eon eine Verstärkung marktbeherrschender Stellungen bei Gas und Strom moniert.

"Die Chancen für wirksamen Wettbewerb durch andere Ferngasgesellschaften werden von vornherein deutlich verschlechtert", schreibt Böge vor dem Hintergrund, dass die Liberalisierung auf den deutschen Gasmärkten soeben erst beginnt. Ruhrgas erreicht hier einen Marktanteil von über 60 Prozent.

Explizit befürchtet das Bundekartellamt auf dem Gasmarkt eine ähnliche Machtkonzentration zum Nachteil der Verbraucher wie an den Zapfsäulen. Darum soll die geplante Mehrheitsübernahme des Ruhrgas-Anteilseigners Gelsenberg durch den Eon-Konzern in der vorgelegten Form nicht genehmigt werden.

Nach Angaben des Kartellamtes ist eine Entscheidung noch nicht gefallen. Eon wurde bis zum Freitag Zeit eingeräumt, die Bedenken mit wettbewerbsverbessernden Vorschlägen auszuräumen. Offiziell endet die Prüffrist am 16. Dezember. In der Branche wird nicht ausgeschlossen, dass die Düsseldorfer beim Kartellamt eine Fristverlängerung beantragen werden.

Durch die Abmahnung der Wettbewerbshüter geriet die Eon-Aktie am Montag unter Druck. Das Papier verbilligte sich am Vormittag um rund zwei Prozent auf knapp 55 Euro. Der Düsseldorfer Konzern hatte erst in der Vorwoche einen "blauen Brief" aus Bonn zum Tauschgeschäft von Veba Öl mit dem britischen Mineralölkonzern BP bekommen.

Die im Juli geschlossene Vereinbarung sieht vor, dass Eon durch Kapitalerhöhung die Mehrheit an der BP-Tochter Gelsenberg erhält, die 25,5 Prozent an der Ruhrgas AG kontrolliert. Im Gegenzug kann BP die Mehrheit an Veba Öl übernehmen, zu der die Tankstellenkette Aral gehört. Das Kartellamt hat sowohl gegen diesen Zugriff als auch gegen die Übernahme von Dea durch Shell Bedenken geäußert. Bei den Tankstellen werden auch Änderungen angemahnt.

Auf der Ferngasstufe führe die Verbindung von Ruhrgas und Eon zu einer strukturellen Sicherung des Ruhrgas-Absatzes an den Eon-Konzern und dessen Beteiligungsunternehmen, lautet die Kritik der Wettbewerbsaufsicht. Andererseits müssten Eon-Töchter im Leitungsgebiet der Ruhrgas nicht mehr mit dem Wettbewerb des größten privaten europäischen Gashändlers rechnen. Die Wettbewerbshüter zählen dazu die Avacon AG in Helmstedt, die Schleswag AG in Rendsberg, Heingas Hamburger Stadtwerke und die Gelsenwasser AG in Gelsenkirchen. Zudem werde potenzieller Wettbewerb durch die Erhöhung der Anteile an der ostdeutschen Verbundnetz Gas AG (VNG) entfallen. Gemeinsam würden Eon und Ruhrgas ihren Anteil auf 42 Prozent steigern, kritisiert Böge.

In Branchenkreisen wird damit gerechnet, dass sich die Fusionspartner vom VNG-Paket trennen werden. So hat der schwedische Energiekonzern Vattenfall schon Interesse daran bekundet. Die Verstärkung marktbeherrschender Stellungen sieht Böge auch auf dem Strommarkt. Denn in Kraftwerken wird Erdgas verstärkt als Primärenergie eingesetzt. Eon strebt die Macht bei Ruhrgas in mehreren Schritten an. Der erste jetzt vom Kartellamt untersuchte, war der Tausch von Veba Öl/Aral-Paket gegen das 25-prozentige Ruhrgas-Paket bei der BP. Vodafone und Thyssen-Krupp wollen ebenfalls Anteile an Eon verkaufen. Die Mehrheit kann aber nur durch den Erwerb der Anteile der RAGAG (früher Ruhrkohle) in Essen gesichert werden. Darüber ist noch nicht entschieden.

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