Wirtschaft : Eon ist bei Ruhrgas kurz vor dem Ziel

Die Zeit drängt: Für eine außergerichtliche Beilegung des Fusionsstreits fehlt nur noch eine Stimme

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Berlin (fo). Der Energiekonzern Eon steht kurz vor einer Einigung mit den Gegnern der geplanten RuhrgasÜbernahme. Wenige Stunden vor Beginn der Gerichtsverhandlung im Düsseldorfer Oberlandesgericht am Mittwochmorgen sperrte sich nach Informationen des Tagesspiegel nur noch ein Unternehmen, seine Klage gegen die Ministererlaubnis zurückzuziehen. Dabei soll es sich um den finnischen Energiehändler Fortum handeln.

Die zehn Milliarden Euro teure Fusion von Eon und Ruhrgas ist seit dem Sommer blockiert. Gegen die Anfang Juli vom Wirtschaftsministerium erteilte Sondererlaubnis zur Übernahme hatten insgesamt neun Energiehändler und -versorger vor dem Oberlandesgericht Düsseldorf (OLG) geklagt. Mit Erfolg: Das Gericht untersagte per einstweiliger Verfügung wegen Formfehlern den Vollzug der Fusion und will nun am Mittwoch die eigentliche Hauptverhandlung aufnehmen. Ob an diesem Tag schon ein Urteil kommt, ist offen. Das Verfahren findet nur dann nicht statt, wenn alle Klagen zurückgenommen werden. Dann wäre die Fusion nicht mehr aufzuhalten.

Eon hatte bereits im Herbst 2002 Kontakt mit den Klägern aufgenommen, darunter verschiedene Stadtwerke und Stromanbieter sowie die Energie Baden-Württemberg (EnBW) als großer Energieversorger. Diese Gespräche wurden ergebnislos abgebrochen, weil Eon-Chef Ulrich Hartmann nach eigenem Bekunden die Forderungen einiger Kläger als erpresserisch ansah. Inzwischen gehen alle Beteiligten davon aus, dass das OLG die Ministererlaubnis wegen schwerer Verfahrensfehler kippen wird. Hartmann hat daher einen neuen Versuch gestartet, sich mit seinen Gegnern zu einigen.

Eon steht unter großem Zeitdruck. Nur noch bis Freitag läuft die Vereinbarung mit dem Essener Bergbauunternehmen RAG, Ruhrgas-Aktien gegen die Aktien der Eon-Tochter Degussa (Spezialchemie) zu tauschen. Dem Vernehmen nach steht eine Verlängerung dieser Option nicht zur Debatte. Eon braucht aber die Ruhrgas-Beteiligung von 18,4 Prozent an der RAG, um die Kontrolle über das Gasunternehmen zu bekommen. Zudem läuft Eon Gefahr, dass das Gericht ein Urteilt fällt, bevor es zu einer außergerichtlichen Einigung gekommen ist. Dann wäre es zu spät. Verhandlungskreise weisen allerdings darauf hin, dass das Urteil rechtskräftig sein müsse. Bis dahin habe man Zeit für eine außergerichtliche Einigung.

Drei-Stufen-Plan bis zur Einigung

Eon schlägt den Prozessgegnern einen Drei-Stufen-Plan vor. Das bestätigten Verhandlungsteilnehmer dem Tagesspiegel. Zunächst sollen alle ihre Klage sofort zurückziehen, damit das Verfahren vor dem OLG gestoppt werden kann. In Stufe zwei wolle der Konzern dann über Möglichkeiten verhandeln, die wettbewerbsrelevanten Vorwürfe der Kläger auszuräumen. Die Palette reiche dabei von günstigen Konditionen für Strom- und Gaslieferungen bis hin zur Abgabe von Stadtwerke- oder Unternehmensbeteiligungen an die Kläger.

Da die Verhandlungen aber schwierig werden könnten, wird zur Absicherung der Kläger eine dritte Stufe vorgeschlagen. Danach soll bei einem Scheitern der Verhandlungen jedes Unternehmen einen vorab fixierten wirtschaftlichen Ausgleich erhalten.

Weit gekommen sind die Verhandlungen offenbar mit dem drittgrößten deutschen Stromversorger EnBW. Dem Karlsruher Unternehmen geht es vor allem darum, Beteiligungen aus dem Eon-Ruhrgas-Konzern herauszubrechen. Nur dann, so argumentierte der EnBW-Chef Gerhard Goll vor dem Wirtschaftsministerium im vergangenen Jahr, mache auch die Versteigerung von Importgas Sinn. In der Ministererlaubnis war Ruhrgas die Versteigerung bestimmter Mengen zur Auflage gemacht worden weil das Unternehmen bedeutendster Gasimporteur ist und den Markt so kontrollieren kann.

Erster Profiteur der wieder aufgenommenen Verhandlungen zwischen Eon und seinen Fusionsgegnern ist die Aktie des Düsseldorfer Unternehmens. Der Kurs der Eon-Aktie stieg angesichts der Hoffnung auf eine außergerichtliche Einigung nach einem ersten Höhenflug am Montag auch am Dienstag um 5,48 Prozent auf 39,67 Euro. Seit der Blockade der Ministererlaubnis hatte das Papier rund 15 Prozent verloren.

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