Wirtschaft : Eon lässt nicht locker

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Von Dieter Fockenbrock

Ulrich Hartmann geht aufs Ganze. Der Chef des Düsseldorfer Energiekonzerns wartet erst gar nicht ab, ob das Wirtschaftsministerium ihm eine Sondererlaubnis zur Übernahme der Ruhrgas gibt. Bevor es so weit ist, sichert sich Hartmann schon mal ein weiteres Aktienpaket an dem Essener Ferngasversorger. Das will er dem Bergbauunternehmen RAG, der einstigen Ruhrkohle abkaufen. Zählt man alle Päckchen und Pakete zusammen, kontrolliert Hartmann am Ende rund 60 Prozent an Ruhrgas. Das reicht, um bei der verschachtelten Gesellschafterstruktur für klare Verhältnisse zu sorgen. Dann hat nur noch einer das Sagen: Der Versorgungsriese Eon. Und Hartmann hat seinTraumziel, zum größten Strom- und Gaskonzern Europas aufzusteigen, erreicht.

Dass es dazu kommt, steht fast außer Zweifel. Kaum jemand glaubt ernsthaft, das Wirtschaftsministerium werde Hartmann sein Ruhrgas-Geschäft verderben. Im Gegenteil hoffen so manche Wettbewerber sogar darauf, dass Berlin sich nicht als Bremsklotz erweist. Der Hintergedanke: Gibt es schwere Auflagen für Eon-Ruhrgas, das heißt müssen interessante Beteiligungen für ein Okay des Ministeriums abgegeben werden, könnte der Wettbewerb auf dem bundesdeutschen Gasmarkt erst so richtig in Schwung kommen. Bislang bewegt sich da wenig, weil die Spieler am Markt sich seit Jahrzehnten nicht ins Gehege gekommen sind – und das vorerst auch dabei belassen wollen. Muss sich Eon aber von seinen Stadtwerke-Beteiligungen trennen, wittern die Konkurrenten schon dicke Chancen, im Erdgasgeschäft kräftig mitzumischen.

Kommt das jüngste Geschäft mit Ruhrgas-Anteilen zustande, landet Hartmann gleich einen Doppelcoup: Seine Chemietochter Degussa will er seit langem loswerden. Nur wollte niemand anbeißen. Wer kauft schon den größten Spezialchemiker der Welt? Das Steinkohleunternehmen RAG ist ein dankbarer Abnehmer. Denn irgendwann wird die letzte deutsche Zeche geschlossen.

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