Wirtschaft : Eon-Ruhrgas will Kartellamt verklagen Vorgehen ist in der Branche aber umstritten

A. Waldermann

Berlin - Im Streit mit dem Bundeskartellamt um mehr Wettbewerb auf dem Gasmarkt geht Marktführer Eon-Ruhrgas nun in die Offensive: Das Unternehmen droht offen mit einer Klage. „Das Kartellamt nimmt eine radikale Position ein, die eine gerichtliche Auseinandersetzung provozieren würde, wenn es daran festhält“, sagte Konzernchef Burckhard Bergmann der „Welt“. In der Branche ist dieses Vorgehen allerdings umstritten: So gehen die meisten Gasunternehmen der offenen Konfrontation mit dem Kartellamt aus dem Weg.

Die Behörde hatte kürzere Laufzeiten für die Lieferverträge zwischen Gasimporteuren und Stadtwerken gefordert. So soll die Konkurrenz belebt werden, und die Preise könnten sinken. Einen ersten Bericht legt das Amt an diesem Dienstag vor. Derzeit haben die Verträge oft eine Laufzeit von über 20 Jahren. Eon-Ruhrgas hält dies für nötig, um die Versorgungssicherheit zu gewährleisten.

Das sieht man auch beim ostdeutschen Lieferanten VNG so – mit einer Klage will das Unternehmen aber nicht drohen: „Wir werden uns um eine einvernehmliche Lösung mit dem Kartellamt bemühen“, sagte Sprecher Markus Wild dem Tagesspiegel. „Wir sind dabei ziemlich optimistisch.“ Auch der Berliner Versorger Gasag denkt nicht an eine Klage: „Das ist eine Sache der Importeure“, sagte Sprecher Klaus Haschker. „Wir selbst warten erst einmal ab.“ Allerdings stellte er klar, dass auch die Gasag das Vorgehen des Kartellamts für unsinnig halte: „Wie lange Verträge gelten, müssen die Unternehmen selbst entscheiden.“

Bei der BASF-Tochter Wingas wiederum ist man von der Eon-Position noch weiter entfernt: „Wir begrüßen die Initiative des Kartellamts ausdrücklich“, sagte Sprecher Stefan Leunig. Wingas, selbst erst seit 15 Jahren am Markt, habe für mehr Wettbewerb stets kürzere Lieferverträge gefordert.

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