Wirtschaft : Eon setzt die britische Insel unter Strom

Düsseldorfer Energiekonzern übernimmt Midlands Electricity und erreicht damit 2,4 Millionen zusätzliche Kunden

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Düsseldorf (juf/HB). Der Energiekonzern Eon hat die Marktposition seiner britischen Tochter Powergen durch die Übernahme des Netzbetreibers Midlands Electricity ausgebaut. Der Kaufpreis summiere sich auf rund 1,64 Milliarden Euro, teilte Eon am Dienstag mit. Powergen, Großbritanniens Marktführer beim Stromvertrieb und zweitgrößter Kraftwerksbetreiber, steigt damit auch im Netzgeschäft zur Nummer zwei auf. Mit dem Zukauf versucht Eon vor allem aber die Rentabilität der Tochter, die bereits kurz nach ihrer Übernahme in Turbulenzen geraten war, weiter zu verbessern.

Midlands Electricity ist ein regionaler Stromverteiler, der von den Versorgern Gebühren für die Durchleitung von Strom zu den Endkunden verlangt. Das Unternehmen verfügt über ein Leitungsnetz von rund 63000 Kilometern, das unmittelbar an das PowergenNetz grenzt. An die Midlands-Leitungen sind rund 2,4 Millionen Haushalte angeschlossen. Powergen kann durch den Zukauf sein Netz verdoppeln und so die Kosten senken: Pro Jahr sind Einsparungen von mindestens 72 Millionen Euro geplant.

„Durch die Übernahme verbessert sich die Ertragslage von Powergen deutlich“, sagte Konzernchef Wulf Bernotat während einer Telefonkonferenz mit Analysten. Das Netzgeschäft biete stabile und verlässliche Einnahmen. 2002 verbuchte Midlands Electricity bei einem Umsatz von 577 Millionen Euro einen Reingewinn von 142 Millionen Euro.

„Das ist zwar kein großer strategischer Schritt“, sagte Analyst Stephan Wulf von Sal. Oppenheim, „was die Kosten angeht, bringt er Eon aber voran“. Ob sie sich tatsächlich so stark wie geplant verringern werden, bleibe aber abzuwarten. „Der Zukauf ist kein Schnäppchen“, sagt Frank Laser von der Hamburger Berenberg Bank, „Midlands Electricity steht aber sehr gut da und passt gut zu Powergen“.

Eon war im vergangenen Jahr im großen Stil in den britischen Markt eingestiegen und hatte sich für 15 Milliarden Euro Powergen gesichert. Nur wenige Monate später musste Eon aber 2,4 Milliarden Euro auf den Firmenwert abschreiben. Ein drastischer Verfall der Großhandelspreise hatte den Versorger, der in seinen Kraftwerken mehr Strom produziert als er selbst vertreibt, stark getroffen. Eon reagierte und kaufte im Herbst die britische Tochter des US-Versorgers TXU mit deren umfangreichem Kundenstamm für mehr als 2 Milliarden Euro zu. „Die schwierigste Phase hat der britische Markt jetzt aber hinter sich“, sagte Analyst Laser. Es sei deshalb richtig, dass Eon nachgelegt habe.

Die bisherigen Eigner von Midlands Electricity, die US-Konzerne Aquila und First Energy, erhalten nur 51 Millionen Euro. Eon muss aber zudem 692 Millionen Euro an Finanzschulden übernehmen und Anleihen in Höhe von 894 Millionen Euro ablösen. Rund die Hälfte der Gläubiger habe dem Gebot bereits zugestimmt, erklärte Eon. Ihre Zustimmung ist entscheidend, denn an ihrem Widerstand waren erst vor kurzem Verhandlungen mit einem weiteren Kaufinteressenten, der Scottish & Southern Energy, gescheitert.

Die Börse reagierte auf die Übernahme am Dienstag verhalten positiv. Die Eon-Aktie ging mit einem kleinen Plus von 0,4 Prozent auf 42,35 Euro aus dem Handel.

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