Wirtschaft : Eon steckt 13 Milliarden in Kraftwerke und Netze

Energiekonzerne geben Investitionsblockade auf – Neben der Kohle gewinnt Erdgas in der Stromerzeugung stark an Bedeutung

Dieter Fockenbrock

Berlin - Die Energiekonzerne geben schrittweise ihre Investitionsblockade auf und planen wieder Kraftwerksneubauten und den Ausbau ihrer Stromnetze in Deutschland. Eon, RWE und Vattenfall Europe arbeiten derzeit an mindestens sechs neuen Kraftwerken mit einem Investitionsvolumen von rund sechs Milliarden Euro.

Wegen des Dauerstreits zwischen Bundesumweltminister Jürgen Trittin (Grüne) und Wirtschaftsminister Wolfgang Clement (SPD) um die künftige Energieversorgung hatten die Unternehmen ihre Projekte teilweise auf Eis gelegt. Inzwischen sind die Belastungen aus der Förderung regenerativer Energie jedoch berechenbar. Auch die Folgen des Emissionshandels mit Treibhausgasen ab 2005 zeichnen sich ab. Nur der Umfang der künftigen Preisaufsicht durch den neuen Energieregulierer ist offen.

Am Freitag gab Deutschlands größter Energiekonzern Eon ein Investitionsprogramm von knapp 19 Milliarden Euro für die nächsten drei Jahre bekannt. Das sind vier bis fünf Milliarden mehr als bislang vorgesehen.

Allein 13 Milliarden Euro sollen für die Modernisierung und Instandhaltung der Strom- und Gasnetze sowie den Bau neuer Kraftwerke ausgegeben werden, berichtete Konzernchef Wulf Bernotat in Düsseldorf. Geplant sind zwei neue Kraftwerke, eines für Kohle und eines für Erdgas. Standortentscheidungen seien aber noch nicht gefallen, sagte Bernotat.

Auch die Konkurrenten RWE und Vattenfall Europe haben ihre Zurückhaltung gegenüber Kraftwerksneubauten aufgegeben. Seit etwa 15 Jahren, so berichtet die Unternehmensberatung Boston Consult, seien in Deutschland nur wenige neue Kraftwerke errichtet worden. Dabei bestehe ein Ersatzbedarf von 40 000 Megawatt. Das entspricht etwa 40 neuen Großkraftwerken mit einem Investitionsvolumen zwischen 40 und 50 Milliarden Euro. Grund sind der notwendige Ersatz veralteter Kohlekraftwerke sowie der im Atomkonsens vor drei Jahren verabredete Ausstieg aus der Kernkraft. Allein dadurch fallen in den nächsten 15 Jahren 20 Prozent der Kraftwerkskapazitäten in Deutschland weg. Eon-Konkurrent RWE will früheren Ankündigungen zufolge bis zu drei Milliarden Euro investieren und damit 4000 Megawatt Leistung neu bauen. Allein der Essener Konzern, der Strom vor allem aus Kohle herstellt, muss rund ein Drittel seiner Anlagen aus Altersgründen austauschen. Forciert wird der Ersatz alter Steinkohle- oder Braunkohlekraftwerke auch durch den Emissionshandel. Der bewirkt, dass schadstoffarme Kraftwerksbetreiber weniger belastet und damit wettbewerbsfähiger sind. Deshalb will RWE auch ein so genanntes Referenzkraftwerk im Ruhrgebiet bauen, das sich für ein fossiles Kraftwerk durch extrem niedrige Kohlendioxid-Emissionen auszeichnet. Vattenfall Europe arbeitet zudem an der unterirdischen CO2-Lagerung. Das könnte am Braunkohlestandort Boxberg in Sachsen erstmals ausprobiert werden.

Eon will nach den Angaben vom Freitag auch zwei Milliarden Euro in das Gasgeschäft investieren. Vor zwei Jahren hatte Eon den größten deutschen Ferngasversorger Ruhrgas übernommen. Darüber hinaus ist der Düsseldorfer Konzern Aktionär des russischen Gasproduzenten Gazprom. Erdgas wird in Deutschland eine wachsende Rolle bei der Stromerzeugung spielen. Bislang sind es nur sieben Prozent. Von den 8200 konkret geplanten Megawatt Leistung sollen mehr als die Hälfte aus Gas- und Dampfturbinen-Anlagen (GuD) kommen, sagt Boston Consult.

Hier tummeln sich verstärkt ausländische Anbieter. Die britische Intergen hat nach langen Verhandlungen den Start für ihr Gaskraftwerk in Hürth (bei Köln) gegeben, Concord Power will im ostdeutschen Lubmin bauen. Mit dem Einstieg solcher Investoren, so hoffen Branchenexperten, werde es endlich mehr Wettbewerb unter den Stromproduzenten geben.

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